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Fanfiction

Heart with no Companion - 4. Snape

von eule20

4. Snape

Soweit es Tage betraf, reihte sich dieser in die Liste der schlimmsten die es je gegeben hatte ein - und das bedeutete eine Menge. Er war immerhin ein Todesser und Spion gewesen. Manche der Dinge die er gesehen und getan hatte waren so unerträglich, dass man nicht einmal daran denken mochte.

Wie auch immer, seit dem Fall Voldemorts hatte sein Leben so etwas wie Normalität und Stabilität erhalten. Nachdem er nach dem geschichtsträchtigen Finalen Kampf von Poppys fürchterlicher Pflege befreit worden war, hatte er die Teile seines Lebens wieder zusammengesetzt und weitergemacht. Nach wie vor war er der Zaubertränkemeister in Hogwarts, was ihm die Aufgaben abrang Schulklassen voller Idioten, die nicht einmal eine Tasse guten Tees kochen konnten und regelmäßig potenziell gefährliche Zutaten zusammenmixten, zu unterrichten, zeitweise medizinische Tränke für Poppys Vorratsschrank zu brauen und die Treffen und Pflichten wahrzunehmen, die von einem Mitglied des Lehrerkollegiums erwartet wurden. Und während er all das tat, arbeitete er daran eine Lösung für Hermines Zustand zu finden.

Es war sehr einfach, aber es war sein Leben und er war dazu übergegangen die verhältnismäßige Ruhe und Gelassenheit, die es ihm brachte, zu genießen. Das Dunkle Mal war fort, verbrannt - zusammen mit seiner alten Haut, als Voldemort gestorben war. Wenn er von Albträumen verfolgt wurde, so war es weniger als er verdiente. Falls bestimmte Leute in der Zaubererwelt noch über seine ´zweifelhafte Loyalität in der Angelegenheit´ flüsterten, trotz allem was er getan hatte, so konnte er dagegen nichts tun. Er hatte eine Begnadigung erhalten, eine zweite Chance und auch wenn er meinte sie nicht zu verdienen, so fand er sich in der Lage, ohne viel Bitterkeit damit leben zu können.

Oder vielmehr hatte er es können.

Er hätte wissen müssen, dass er nicht für Ruhe, oder selbst eine annehmbare Täuschung derselben, geschaffen war. Männer wie er verdienten sie nicht.

In der Minute, als sich Poppy zum Frühstück neben ihn an den Lehrertisch setzte, wusste er, dass es ein schlechter Tag werden würde, denn sie bedachte ihn mit verdeckten, durchdringenden Blicken , dass sie sehr dämlich sein musste, wenn sie meinte er würde sie nicht bemerken. Er hatte schließlich nicht umsonst fast zwanzig Jahre als Spion verbracht. Die Haare in seinem Nacken stellten sich vor Verärgerung auf, als sie ihre Teetasse mit ein paar Löffeln Zucker zuviel belud und ihr lästiges Spielchen mit den ununterbrochenen Seitenblicken weiterführte.

Eine aufdringliche Heilerin und ihre klatschsuchenden Fragen waren etwas, zu dem er an diesem Morgen nicht aufgelegt war, geschweige denn an irgendeinem Morgen. Er war die halbe Nacht wach gewesen, um ein Buch, welches er endlich erhalten hatte, über altertümliche Flüche und Gegenflüche zu lesen, in der Hoffnung irgendetwas Ähnliches zu finden wie das, was Hermine getroffen hatte. Natürlich hatte er nichts gefunden und seine wachsende Frustration, zusammen mit dem mangelnden Fortschritt - kombiniert mit weniger als zwei Stunden Schlaf - machten ihn noch gestresster und reizbarer als sonst.

Achtzehn Monate war es her, dass Voldemort gefallen war - seit sie gefallen war - und er war einer Lösung nicht näher als zu Beginn seiner Suche. Animula Somnus, lebender Schlaf, klang so einfach auf dem Papier, war aber ein völlig undokumentierter Fluch. Es gab keine Literaturhinweise die erklärten, wie der Fluch wirkte, oder wie lange er andauerte, geschweige denn ob ein Gegenfluch existierte. Er hatte nur die medizinischen Akten und seine eigenen Beobachtungen bezüglich Hermines Zustand. Ihr Körper war am Leben, wenn auch notdürftig, doch eigentlich schien es, als ob ihre Seele von ihrem Körper getrennt worden war. Ausgesaugt, zerstört, oder eingeschlossen, er wusste es nicht. Anderthalb Jahre später war er keinen Schritt näher an einer Lösung, was stark an seinen Nerven zerrte.

Als Poppy ihn dann über den Rand ihrer Teetasse angelächelt und ihre ach-so-beiläufige Frage nach Miss Grangers Gesundheit gestellt hatte, schien sein Knurren fest in seinem Gesicht verankert zu sein.

"Madam?", erwiderte er warnend.

Die törichte Frau machte jedoch unverdrossen weiter. "Wie geht es Miss Granger? Wie ich hörte, besuchen Sie sie jeden Tag." Poppys Worte erregten ein stilles Aufsehen entlang des gesamten Lehrertisches und ließen alle Gespräche verstummen. Alle Augen wandten sich ihm zu, außer die von Albus, der versuchte Rührei auf seinen Toast zu manövrieren. Natürlich war sich der Schulleiter seiner fortlaufenden Bemühungen, den Fluch zu ergründen, bewusst und wusste wahrscheinlich schon längst von seinen täglichen Besuchen im St.Mungos. Der Mann wusste alles.

" Aber Severus, ich habe gar nicht mitbekommen, dass du Hermine besuchst!", rief Minerva aus, ihr Kopf neigte sich dabei zur Seite, als ob sie über diese plötzlichen Neuigkeiten verwirrt wäre.

Hooch, die ein paar Plätze weiter saß, musterte ihn argwöhnisch. "Warum sollten Sie sie denn besuchen? Es ist ja schließlich nicht so, dass sie eine ihrer Lieblinge gewesen ist, als sie noch hier war; wenn ich mich recht erinnere, konnten sie das Mädchen kaum ertragen."

Einige von den Lehrern murmelten ihre Zustimmung und nickten bekräftigend.

"Ich vermute, dass er sich schuldig fühlt. Ist es nicht so, Severus? Schließlich bist du der Grund weshalb sie im St. Mungos liegt." Severus schüttelte den Arm ab, mit dem ihn Poppy in einer tröstenden Art tätscheln wollte. Obwohl ihr Tonfall mitfühlend war, war jedes Wort aus dem Mund der Krankenschwester wie ein Schlag in seine Magengrube.

"Ich frage mich nur, weshalb du sie jeden Tag besuchen musst", fuhr sie unbekümmert fort und kicherte dann höchst ungewöhnlich für eine Frau ihres Alters. " Was tust Du überhaupt jeden Abend in ihrem Raum?"

Snape schaute sie einfach nur entsetzt und sprachlos an, ehe er schnappte: "Sie wissen ganz genau, dass ich ihren Zustand untersuche, in dem Versuch ein Heilverfahren zu finden."

"Ich nehme an, dass du bisher kein Glück hattest?", seufzte Minerva wissend. "Schließlich ist Hermine immer noch in dieser Anstalt eingesperrt."

Flitwick quiekte etwas in der Art von "Das arme, viel versprechende Mädchen!", ehe er seine Aufmerksamkeit einem großen Stapel Waffeln widmete.

"Ich dachte Du würdest inzwischen zugeben, dass es keine Heilung gibt", fügte Poppy freundlich hinzu. "Ich habe alles versucht was Zauberern bekannt ist um es aufzuheben und es hat nicht funktioniert. Es sieht Dir gar nicht ähnlich, dass Du deine Zeit mit etwas komplett Sinnlosem verschwendest."

Poppy lehnte sich näher an ihn und Snape rückte nach hinten, sein Blut schien zu gefrieren. "Sag mir, Severus, gibt es da einen anderen Grund für deine Besuche? Ich hoffe, du gehst nicht mit dem Grund zu ihr, um etwas von deiner Schuld zu lindern, für etwas, das so lange her ist. Obwohl, vielleicht hast du tatsächlich ein Faible für das Mädchen entwickelt?"

"Sind Sie wahnsinnig?", fauchte Snape, ehe er vom Tisch wegrückte und abrupt aufstand, um seine gaffenden Kollegen zornig anzusehen. "Im Gegensatz zum Rest von euch glaube ich nicht, dass Hermine hoffnungslos verloren ist und ich versuche eine Lösung zu finden. Wenn ich es für nötig befinde sie zu besuchen, um ihren Zustand zu bewerten, dann ist das mein legales Recht und nicht eure verdammte Angelegenheit!"

Mit sehr finsterem Gesicht und säuerlicher Miene verließ er die Große Halle durch die Lehrertür, während Hooch´s Kichern ihm nach draußen folgte.

"Er nennt sie jetzt Hermine? Seit wann?"

Er war fuchsteufelswild. Poppy hatte den gesamten Lehrkörper mit Klatsch versorgt, der sie den Rest des Schuljahres beschäftigen würde. Ein paar unschuldige Schüler anschnauzend setzte er seinen Weg in die Kerker fort. Dabei versuchte er die Erinnerung an die neugierigen Blicke und Hooch´s Abschiedskommentar zu verbannen.

Als er seine Quartiere erreicht hatte, griff er sich das nächstbeste Buch, welches in seiner Reichweite lag, einen Muggeltext den er hatte ausfindig machen können, der detailliert von Koma und Komapatienten handelte. Zu der Zeit hatte er gedacht, dass wenn er etwas über Komas und deren Ursachen lernte, er ein besseres Verständnis dafür bekommen konnte, weshalb Hermine noch immer in einem lag. Allerdings hatte das Buch am Ende mehr Fragen aufgeworfen, als dass es beantwortet hatte. Er hatte nicht angenommen, dass ihr Koma durch ein einfaches Schädeltrauma verursacht worden war, wie es so oft in der Muggelwelt der Fall war und der Fluch in einer unvorhergesehenen Weise damit reagiert hatte. Hermine könnte also nicht nur an den einzelnen Folgen des Zaubers leiden, sondern möglicherweise Hirnschäden, sogar irreparable Verletzungen davontragen. Zu der Zeit, waren die Informationen aus dem Buch eher schmerzhaft bei dem Gedanken daran, als behilflich.

Sich die früheren Befürchtungen über das Buch ins Gedächtnis rufend, legte er es zurück auf den Tisch und setzte sich, um seine Vorbereitungen für die morgendliche Klasse fertig zu stellen. Die eintönige Arbeit mit dem Papier und das richten der Gerätschaften schafften es jedoch nicht, seine Verärgerung und seinen nachklingenden Zorn über das Gespräch am Frühstückstisch zu lindern. Was gab diesen tratschenden, alten Vetteln das Recht ihn derart auszufragen? Nicht einmal in achtzehn Monaten hatten sie auch nur den kleinsten Finger gerührt, um der klügsten Schülerin die Hogwarts je gesehen hat zu helfen und jetzt war er plötzlich ein Pädophiler, nur weil er sie besuchte?

Er glaubte nicht, dass auch nur eine von ihnen - mit Ausnahme von Minerva vielleicht - auch nur einen Blick auf das Mädchen geworfen hatte, als sie im Krankenflügel der Schule gelegen hatte. Es quälte ihn, auch wenn er es hasste es zugeben zu müssen, dass sie sich im Recht fühlten ihn über seine Tätigkeiten auszufragen, selbst nachdem er sich immer wieder bewiesen hatte. Sie vertrauten ihm noch immer nicht vollständig. Und sie wunderten sich, weshalb er sie verachtete.

Nicht ein einziges Mal in all seinen Jahren als Professor, war er soweit gesunken, dass er ein Kind unter seiner Obhut als nichts anderes als das ansah - ein Kind. Anzudeuten, dass er – Snape - Hermine vielleicht mit weniger als den reinsten Absichten besuchte, war unglaublich. Er wollte das Mädchen retten, weil der Verlust ihres Geistes ein harter Schlag für ihre Welt sein würde. Das war der einzige Grund.

Selbst wenn er vielleicht zum Beginn ihres siebten Schuljahres bemerkt hatte, dass sie während des Sommers vollends erwachsen geworden war, bedeutete das gar nichts! Er war schließlich noch ein Mann und ungeachtet dessen was andere vielleicht von ihm denken mochten, er schätzte die Schönheit in ihren unzähligen Formen, wann immer er sie auch sah. Das bedeutete nicht, dass er ein Perverser war.

Seine Gedanken wanderten weiter auf diesem dunklen und trübsinnigen Pfad, während er die Zutaten auffüllte, die die Schulklassen an diesem Tag benötigen würden. Als er nach einem Fläschchen geriebener Netzwanzenkäferflügel griff, überraschte es ihn, dass er eine andere Handschrift als seine eigene vorfand. Ein Fetzen seiner Erinnerung sagte ihm, dass es eines der Fläschchen war, die Hermine während ihrer letzten Strafarbeit bei ihm zubereitet hatte. Er erkannte ihre präzise Handschrift, dieselbe mit der sie jeden ihrer Tests und Aufsätze geschrieben hatte und fragte sich flüchtig, ob er den Trank für die Drittklässer wechseln sollte, damit sie nicht alles verbrauchten. Sich selbst einen Narren schimpfend, verbannte er schnaubend den kurzen Gedanken rigoros aus seinem Kopf. Er verbot sich selbst wegen eines Fläschchens Käferflügel sentimental zu werden. Er verbot es sich überhaupt sentimental zu sein.

Schon nach den ersten fünf Minuten der ersten Unterrichtsstunde, hatte Snape, sehr zu seiner Freude, drei Schüler zum heulen gebracht. Doch als Bertie Bones, ein unfähiger Drittklässler aus Hufflepuff, der Neville Longbottom wie ein Zaubertränkegenie aussehen ließ, Hermines Fläschchen mit den Käferflügeln so umstieß das es zu Boden fiel und zerbrach, explodierte Snape.
Die nächsten zwanzig Minuten, verbrachte er recht eindrucksvoll damit, Bernie anzuschnauzen und sich über dessen genetische Abstammung auszulassen, die es geschafft hatte, solch eine Schande für die Zaubererwelt hervorzubringen.
Er war noch nie glücklicher darüber gewesen, die Rücken seiner Schüler zu sehen, als die zweite Stunde des Tages geendet hatte. In seiner Manteltasche ruhte das kleine Fläschchen, welches Bones zerbrochen hatte; das gesplitterte Glas und das zerrissene Etikett waren mit einem schnell geknurrten Reparo wieder zusammen gefügt worden. Er ließ seine Finger über das Etikett und das Glas gleiten und hielt seine Hand davon ab, das Fläschchen wieder in den Vorratsraum zurückzustellen, indem er sich nicht besonders überzeugend sagte, dass das dunkel getönte Glas viel zu schade sei, um es als Behälter für Käferflügel zu verwenden.

Er nahm sich Zeit um die zurückgelassene Unordnung aufzuräumen und bedauerte es nicht, dass er zum Mittagessen noch so beschäftigt war, dass er diesem in der großen Halle nicht beiwohnen konnte. Sein Morgen war schon grauenvoll genug gewesen und so wie er seine Kollegen kannte, würde seine bloße Anwesenheit sie dazu animieren, ihm weitere geschmacklose Fragen über Hermine und seine Besuche zu stellen.

Und da war noch etwas anderes - Hooch hatte Recht. Seit wann nannte er sie Hermine und nicht Miss Granger? Er hatte diese vertraute Anrede schon vor Monaten angenommen, während seiner einseitigen, abendlichen Diskussionen wenn er sie besuchte. Es war nicht absichtlich gewesen, es war einfach geschehen. Sie war nicht mehr länger seine Schülerin, was ihm erlaubte sie bei ihrem Vornamen zu nennen, wenn er es so wollte. Nebenbei bevorzugte er Hermine gegenüber Miss Granger. Miss Granger war die kleine, lästige Alleswisserin die er verabscheut hatte. Hermine war die junge Frau, die sein Leben gerettet hatte. Er wusste nicht, weshalb Hooch es so wichtig gefunden hatte, um es anzusprechen. Ein Name hatte keine große Bedeutung - überhaupt gar keine - die anderen bewiesen nur ihre Dummheit, wenn sie so viel Aufhebens darum machten. Perverse Glucken, der ganze Haufen.

Er brütete darüber, während er sein fades Hammelsandwich aß und beim letzten Bissen beschloss er, dass es jede Menge Dinge in den Kerkern zu erledigen gab, die ihn für den Rest der Woche von der Großen Halle und seinen Kollegen fern halten würden.

Die Sechstklässler an diesem Nachmittag schlugen sich wacker bei dem Versuch eine stärkere Variante des Aufpäppeltrankes zu brauen, obwohl nicht einer von ihnen in der Lage war die einfachsten Fragen zu beantworten oder auch nur drei Zutaten des Trankes aufzuzählen. Keiner von diesen Dummköpfen war mutig genug um seine Hand zu heben, geschweige denn zu antworten, ohne das sie stotterten oder in Tränen ausbrachen, wenn er sie aufrief. Seine Gedanken wurden von einer Erinnerung an Hermine durchsetzt, die an ihrem allerersten Schultag hartnäckig mit dem Arm wedelte, während er das Potterbalg in die Mangel genommen hatte.
Zu dieser Zeit hatte er nicht gewusst ob er das Mädchen auslachen oder anschnauzen sollte - und auch wenn eine harsche Bemerkung am Ende gewonnen hatte, er hatte diese Hand in den nächsten sieben Jahren nicht zögern sehen. Er hatte bis heute nicht gewusst, wie sehr er es vermisste.

Tagein, tagaus mit Schülern umzugehen, die nicht einmal die Hälfte ihrer Intelligenz besaßen, war frustrierend. Sie hatte die Messlatte so hoch gelegt, dass die glücklichen Schwachköpfe, die er momentan zu seinem Unglück unterrichten musste, nicht einmal den Kopf einziehen mussten um darunter durchzugehen.

Doch bei aller Kraft und glänzendem Wissen, sie lag in einem Bett im St. Mungos, noch am Leben aber nicht lebendig. Er rief sich in Erinnerung, wie sie bei seinem erstem Besuch ausgesehen hatte - ihr schmaler Körper bewegte sich nicht, ihr Haar war kurz und abstehend, ehe er es in seinen ursprünglichen Zustand zurückgehext hatte, sie war ganz anders als die Schülerin die er kennen gelernt hatte - und er fühlte, wie sich etwas in seinem Inneren zusammenzog.

Konnte Poppy mit ihrer Annahme vielleicht Recht haben, dass er sie aus anderen Gründen als seiner Recherche besuchte? Sie waren nie Freunde gewesen, geschweige denn enge Kollegen. Wenn er es irgendwie schaffte sie zu retten, würden sie danach Freunde sein? Er glaubte nicht. Wenn sie je wieder aufwachte wäre die vergangene Zeit nur ein kurzer Augenblick gewesen, vielleicht nicht mehr als ein langer Traum. Würde es sie überhaupt kümmern, welche Rolle er bei ihrer Rettung gespielt hatte? Was könnte sie mit einem Freund wie ihm anfangen? Der Gedanke füllte ihn mit einem Gefühl der Leere und betrübte ihn merkwürdigerweise.

Es geschah, während er über Hermine und die entfernte Möglichkeit einer Freundschaft mir ihr nachgrübelte; ein Kessel explodierte so plötzlich, dass er überrumpelt wurde. Die Schüler schrieen und er selbst versuchte sich die Panik nicht anmerken zu lassen, als er den unverkennbaren Geruch von Drachenblut, gemischt mit Mondtau und Trollurin bemerkte. Irgendein Tölpel hatte versehentlich ein giftiges Gas kreiert, eines das die Lungen desjenigen zu Asche verätzen würde, der es länger als ein paar Sekunden einatmete.

"RAUS!", brüllte er, bedeckte seinen Mund und seine Nase mit seinem Ärmel, als der Gestank größer wurde. "Atmet den Rauch nicht ein!"

Es kostete ihn einige wertvolle Sekunden, um den Evanesco drei Mal zu zaubern, damit die giftigen Dämpfe verschwanden und zu dem Zeitpunkt an dem er es endlich geschafft hatte, konnte er kaum noch atmen. Die anwesende Klasse war gemäß seinen Anweisungen verschwunden, möglicherweise jedoch mit größerer Angst vor ihm als vor dem Zaubertrank, mit Ausnahme eines Schülers. Dennis Creevey war in noch schlimmerer Verfassung als er, lag zusammengesunken auf dem Boden unter dem zerstörten Kessel und seine Lippen färbten sich schon blau, als Snape den Jungen in seine Arme hob und mit ihm zum Krankenflügel rannte.

Snape schaffte es gerade so sie beide zu Poppy zu bringen und Liquefaciopulmo zu keuchen ehe er vor ihren Füßen zusammensank.

Als er Stunden später aufwachte, beugte sich Poppy gerade über ihn. Er stöhnte.

"Dennis?", krächzte er.

"Er wird es überleben", antwortete Poppy. "Gerade eben so. Wenn du den Evanesco eine Sekunde später gesprochen hättest...." Ihre Gedanken verloren sich, als sie begann Snape auf den Stand der Dinge zu bringen: "Ich hatte viel zu tun. Ich brauchte drei Anläufe, ehe Deine Lunge mit dem Nachwachsen beginnen konnte.

„Was ist passiert?"
Snape seufzte, was dazu führte, dass sich die Schmerzen in seinen protestierenden Lungen verdoppelten. "Irgendein Idiot hat es geschafft an Trollurin zu kommen und sich dazu entschieden ihn in den heutigen Trank zu geben. Wenn ich diesen Idioten finde..."

"Er liegt auf der anderen Seite des Krankenflügels und ich erlaube es mir zu sagen, dass er sich noch schlechter fühlt als du." Albus betrat lächelnd Snapes kleinen Bereich hinter der Trennwand. "Es scheint so, dass der Missetäter der junge Mr. Creevey ist. Er erhielt den Urin von einem Straßenhändler, bei seinem letzten Besuch in der Winkelgasse. Anscheinend sagte man ihm, dass ein paar Tropfen davon jeden Zaubertrank perfekt machen würden."

"Perfekt tödlich", fauchte Snape. "Er hat Glück, dass er uns nicht alle umgebracht hat!"

"Du meinst, er hatte Glück dass du da warst, um ihn zu retten", erwiderte Dumbledore mit funkelnden Augen. "Wirklich Severus, Schüler zu retten scheint ein neuer Zeitvertreib von dir geworden zu sein."

Snape starrte ihn an und presste eine Hand auf seine schmerzende Brust. "Ich weiß nicht weshalb ich mich mit undankbaren, kleinen Bälgern herumplage. Ich sollte sie mich umbringen lassen und sie von ihrem Unglück befreien."

Poppy lächelte ihn liebevoll an, ehe sie sich vorbeugte und seine Hand tätschelte: "Wir wären wirklich schlecht dran, wenn Du das tun würdest. Stell dir vor was geschehen wäre, wenn du Harry nicht geholfen hättest? Wenn Voldemort...."

"Genug, Poppy", sagte Snape kalt. "Erwähne diesen Name nicht in meiner Gegenwart. Bei Merlins Eiern, meine Brust bringt mich um."

"Es wird noch ein paar Tage wehtun", versicherte Poppy ihm heiter. "Wie Du weißt wachsen dir gerade neue Lungenlappen. Wenn wir jetzt nur noch herausfinden könnten, wie wir dir ein neues Herz wachsen lassen können - zusammen mit deiner neuen Haut und deiner Lunge wärst du ein völlig anderer Mann!"

Albus kicherte daraufhin, ehe er sich vorlehnte und ihm auf die Schulter klopfte. „Ach, Poppy", ermahnte er sie. "Ich mag Severus so wie er ist. Jetzt muss ich aber gehen. Ich habe mir die Freiheit genommen, deinen Unterricht für den Rest der Woche ausfallen zu lassen."

"Verdammt, Albus – es geht mir gut! Ich werde morgen mit dem Unterricht fortfahren."

"Das wirst Du nicht", warf Poppy bestimmt ein. "Du kannst von Glück reden, wenn ich dich morgen hier raus lasse. Du wirst wenigstens eine Woche brauchen um zu genesen! Wenn du kooperierst, dann kannst du eventuell morgen Abend in deine Räume zurückkehren." Sie reichte ihm eine Tasse mit rauchender Flüssigkeit. "Und jetzt trink das. Es wird den Schmerz nehmen und dir beim Schlafen helfen. Das ist genau das was du jetzt brauchst - jede Menge Schlaf."

Snape nahm den Trank grob entgegen, schnüffelte misstrauisch daran und schaute missmutig, als die ekelhafte Flüssigkeit sich ihren Weg durch seine schmerzende Brust bahnte. "Das ist der scheußlichste Trank, den ich jemals probiert habe!", knurrte er, während er gleichzeitig die wohlige Wärme des erholsamen Schlafes über seine Haut kriechen spürte.

Poppy zuckte mit den Schultern. "Wenn du den Geschmack nicht magst, solltest Du vielleicht in Erwägung ziehen Pfefferminze hinzuzufügen, wenn du mir eine neue Ladung braust."
Er versuchte sich eine brauchbare, sarkastische Antwort auszudenken, als er in die Arme der Shiva glitt. In dieser Nacht, in der er im Krankenflügel lag und neue Lungenlappen nachwachsen ließ, träumte er immer und immer wieder von dem explodierenden Kessel. Doch es war nicht Dennis Creevey, den er auf seinen Armen trug und zum Krankenflügel brachte - es war Hermine. Bloß, dass er sie nicht retten konnte. Der Traum endete immer wieder damit, dass ihre leuchtenden, zimtfarbenen Augen stumpf und leer wurden, während sie bei ihrem letzten Atemzug mit ihren blauen Lippen seinen Namen hauchte:
"Severus."

Es war außerdem das erste Mal in achtzehn Monaten, dass er es nicht geschafft hatte Hermine zu besuchen.


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Dass die computer- und videogeprägten Kinder in 400-Seiten-Romanen versinken, reißt deren Eltern zu Jubelstürmen hin. Ganz abgesehen davon, dass auch die Erwachsenen längst mit der "Pottermania" infiziert sind.
Elisabeth Sparrer, Abendzeitung