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Fanfiction

Heart with no Companion - 7. Severus

von eule20

Kapitel 7: Snape

Er hätte nie zurück gehen dürfen. Es war ja nicht wirklich so, dass er sie hatte sehen müssen. Und seine Brust schmerzte. Von Hogsmeade zum St. Mungos zu apparieren und wieder zurück, hatte ihn fast umgebracht. In seinem dunklen Arbeitszimmer sitzend, missbilligte er sein Verhalten. Vielleicht kamen die Schmerzen in seiner Brust vom Old Odgens, den er sich eben gegönnt hatte, doch er glaubte nicht daran.

Wenn er absolut ehrlich mit sich war, glaubte er noch nicht einmal daran, dass der Schmerz von seinen immer noch heilenden Lungen herrührte. Er fühlte sich, als ob ihm jemand das Herz herausgerissen hätte. Er würde nicht zurück gehen.

Einen weiteren Schluck vom Feuerwhisky nehmend, zuckte er zusammen, als sich das brennende Getränk seinen Weg durch seine Kehle bahnte und er fragte sich, wieviel er davon trinken musste, ehe er sie vergessen könnte.

Er war verdorben. Jegliche Illusionen darüber, welche Art von Mann er wirklich war, waren von einem Mädchen, welches niemals verstehen würde, was sie ihm angetan hatte, bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen worden.

Diese Woche war die Hölle gewesen.

Er erinnerte sich daran, wie er an dem Morgen nach der Explosion im Krankenflügel aufgewacht war und sich gefühlt hatte, als sei eine Horde wildgewordener Hippogreife über seine Brust getrampelt. Poppy war in ihrem Element gewesen und hatte ihn bemuttert, als sei er ein kleines Kind. Er verabscheute es zutiefst herumkommandiert zu werden, besonders von neugierigen, alten Klatschtanten, die meinten, dass sie ihn bei seinem Vornamen anreden und ihn unnachgiebig ärgern konnten.

Nachdem sie ihm eine erneute Dosis von dem abscheulichen Trank eingeflößt hatte, den er auch schon in der Nacht davor hatte nehmen müssen, hatte sie ihn angelächelt: „Nettie hat mich heute Morgen angefloht um zu fragen wie es dir geht. Ich sagte ihr, dass es dir gut ginge, du jedoch in der nächsten Zeit nicht dazu in der Lage wärst Hermine zu besuchen. Sie sagte, ich solle dir ausrichten, dass du dir keine Sorgen machen solltest - Miss Granger wird noch immer dieselbe sein, so wie du sie das letzte Mal gesehen hast.“

Er tat sein Bestes um sie zu ignorieren, da seine stummen Blicke in ihre Richtung nicht dafür sorgten, dass sie auf der Stelle verbrannte. Er hatte gehofft es würde funktionieren.

Nach einem erzwungenen Morgennickerchen und dem Träumen einer erneuten verstörenden Version, wie Hermine in seinen Armen stirbt, kam Albus vorbei und brachte die morgendliche Ausgabe des Tagespropheten mit. Dieses tratschende Blatt hatte es in seiner üblich übertriebenen Weise geschafft, ihn gleichzeitig über mehrere Seiten hinweg zu loben und in den Schmutz zu ziehen. Während sich ein Artikel ausschließlich damit beschäftigte, wie seine schnelle Reaktion das Leben von Dennis Creevey gerettet hatte, beschäftigte sich ein anderer damit, ob Snape die Explosion nicht selbst hervorgerufen habe, um sich etwas mehr Aufregung in seinem neuen Leben zu verschaffen.

Dumbledore war darüber unglücklich gewesen, doch Snape hatte bloß mit den Schultern gezuckt. Wenn er in der Stunde aufmerksam gewesen wäre und nicht über seine persönlichen Probleme nachgegrübelt hätte, wäre das alles nie geschehen. Glücklicherweise hatte Creevey trotz seiner Unachtsamkeit überlebt. Er schüttelte sich bei dem Gedanken daran, was er an Papierkram hätte ausfüllen müssen, wenn dieser Schwachkopf tatsächlich gestorben wäre. Poppy hatte ihn ausgelacht, als er das zu Albus gesagt hatte.

„Wir sind auf deiner Seite, Severus. Wir wissen wie sehr du deine Schüler schätzt.“

Snape entschied, dass mehrere Salven des Crucios annehmbarer wären, als ihre hirnverbrannten Kommentare und Anspielungen zu ertragen.

Am nächsten Morgen hatte sie ihm endlich erlaubt den Krankenflügel zu verlassen, jedoch nicht ohne die Ermahnung seine Mahlzeiten in seinen Räumen einzunehmen und sich von qualmenden Kesseln fernzuhalten; sie hatte auch leicht angedeutet, dass es ihm gestattet war Mr. Creevey zu besuchen. Snape hatte sie ausdruckslos angestarrt und gefragt, weshalb er ein Interesse daran haben sollte dieses idiotische Kind zu besuchen,welches ihn fast umgebracht hatte, doch sie hatte nur gelächelt.

„Du besuchst Hermine.“

Aber er besuchte Hermine nicht - nicht für den Rest der Woche. Einerseits konnte er es physisch nicht. Seine Brust schmerzte bei jedem Atemzug und der Gedanke ans Apparieren ohne zu zersplintern war, offen gesagt, einfach beängstigend.

Darüber hinaus, wollte er nicht noch mehr Getratsche in der Gerüchteküche von Hogwarts. Es gab für ihn absolut keinen Grund, weshalb er Hermine besuchen sollte, also würde er es auch nicht tun.

Er hatte nicht mit den Träumen gerechnet. Der erste Traum im Krankenflügel schien die Tore geöffnet zu haben. Es war, als würde jedes Mal, wenn er seine Augen schloss, ein Traum der sich um Hermine drehte, seinen ganzen Geist umfassen.

Zuerst hatten die Träume von ihrem Sterben gehandelt- ob es nun auf dem Boden seines Klassenraumes war, oder auf dem Schlachtfeld, als sie schlaff in seinen Armen lag. Doch im Laufe der nächsten Tage veränderten sie sich komplett. Und auch wenn es ihn bösartiger erscheinen ließ als üblich, er wünschte sich lieber die Träume in denen sie starb, als diese Träume die von etwas handelten, was niemals sein könnte.

In einem dieser Träume war er alleine in seinen Gemächern gewesen und Tageslicht hatte durch seine Fenster geschienen. Doch der Traum hatte sich unmerklich geändert, der Tag wurde zur Nacht und das Bewusstsein um die Anwesenheit von einer weiteren Person im Raum tröpfelte durch seinen Verstand. Er hatte sich zu seinem Wohnzimmer gedreht und zu seiner Überraschung, saß dort jemand in seinem Lieblingssessel vor dem Kamin, ein aufgeschlagenes Buch in den blassen Händen. Ohne ihr Gesicht zu sehen, wusste er wer es war, das Wissen kam von irgendwo her tief aus seinem Bauch. Ihr Haar schimmerte um ihren Kopf wie ein Heiligenschein, das warme Licht des Feuers badete sie in einer goldenen Aura, als sie sich aufrichtete und ihn anlächelte.

„Keine explodierenden Kessel heute? Das ist gut“, hatte sie gesagt und ihre Stimme siedelte zwischen dem hohen Klang einer Kinderstimme und der tiefen Klangfarbe einer Frauenstimme. Rückblickend könnte er nicht sagen, ob es ihre wirkliche Stimme war - es war schon so lange her, als er sie zum letzten Mal gehört hatte.

In einem anderen Traum fand er sich an einem kühlen Herbsttag wieder, wie er sich von der Schule entfernte, seine Schrittlänge wesentlich kürzer als üblich und seine Fußstapfen wurden von einem weiteren Paar begleitet. Eine zarte Hand hatte sich in seine Armbeuge geschoben und als wäre es das normalste auf der ganzen Welt, diskutierten er und Hermine über die möglichen Verbesserungen am Wolfsbanntrank. Der Wind hatte zugenommen, blies Blätter und kalte Luft um sie herum und er hatte ihr galant seinen Schal angeboten, um sich vor dem Wind zu schützen. Der Traum verblasste mit ihrem seltsam schelmischen Lächeln, als sie die silbernen und grünen Streifen auf dem Schal in die roten und goldenen Streifen von Gryffindor verwandelte.

Diese und andere Träume suchten ihn während seines nächtlichen Schlafes heim und die Erinnerung an sie klammerte sich so fest an ihn, dass er froh war diese Woche nicht unterrichten zu müssen; er hatte Angst das sie ihn noch mehr ablenken würden, als es seine vorherigen Gedanken schon getan hatten. Jeder Morgen kam hell und klar und hinterließ in ihm das Gefühl von Leere und von etwas beraubt worden zu sein. Sie würde ihn nie auf ihrem Weg nach Hogsmeade anlächeln, oder seinen Schal tragen, oder seine Hand im gemeinschaftlichen Schweigen halten. Sie war immer noch im Krankenhaus und er war derjenige der sie dorthin gebracht hatte.

Nach vier Nächten voller Träume und fast einer ganzen Woche ohne sie, ging er wieder ins St. Mungos. Es war ein früher Nachmittag gewesen, als er sich schließlich dazu entschied sie zu besuchen. Er musste mit seinen eigenen Augen sehen, dass sie noch immer da war, dass sie nicht zu einem Geist geworden war, der freigelassen wurde um ihn zu verfolgen.

Früher in dieser Woche hatte er sich geschworen, dass er erst wieder zu ihr gehen würde, wenn er sich sicher war, ein Heilmittel für sie zu haben. Er schwor sich, dass niemals wieder Gedanken über sie ihn derart ablenken würden - schlimm genug, dass es soweit gekommen war, dass er fast einen Schüler verloren hatte, doch am meisten wünschte er sich, das er seine Kollegen nicht mit weiteren Gründen zum Schüren ihres Interesses belieferte, was seinen Umgang mit Hermine betraf. Der beste Weg, um diese Aufgabe zu erfüllen, war seine Besuche zu stoppen und sie aus seinem Geist zu verbannen.

Das Problem war, er konnte es nicht. In der Zeit zwischen seinen Träumen und den Momenten in denen er an sie dachte, während er sich erholte, war sie nie weit weg von seinen Gedanken. Im Verlauf der Woche bemerkte er, dass er sie vermisste – dass er die Stunde oder zwei in der er sie besuchte vermisste – er sehnte sich nach der Stille, die er so genoss, während er einfach nur bei ihr saß. Er versuchte abzustreiten das es so war; lehnte es ab Zeit mit ihr zu verbringen, sie mit Anekdoten aus seinem Tag zu erfreuen, dem Ganzen irgendeine Bedeutung abzugewinnen.

Immer und immer wieder hatte er es verworfen, dass Poppy Recht gehabt haben könnte - das er tatsächlich Gefühle für das Mädchen entwickelt hatte. Weil, wenn das wirklich der Fall war, wie erbärmlich würde ihn das aussehen lassen? Ein Mann dessen einzige und engste Freundin ein Mädchen war, das halb so alt war wie er; ein Mädchen das niemals mit ihm sprechen, oder ihn anlächeln, oder nur seine Gegenwart wahrnehmen konnte.

Er war so sehr in Gedanken versunken, dass er ein paar Minuten brauchte um zu realisieren, dass Nettie Pomfrey ebenfalls mit Hermine im Raum war und Seife aus deren Haar spülte. Das bettlägerige Mädchen trug nicht mehr als ein Laken, welches sorgfältig über ihrer Brust ausgebreitet und unter ihren Armen festgesteckt war. Er konnte in der Kuhle ihres Schlüsselbeines den sanften Schlag ihres Herzens sehen und stand sekundenlang wie angewurzelt da, ehe er in der Lage war sich umzudrehen.

Die Medi-Hexe hatte ihre Tätigkeiten an Hemine schnell beendet und hatte ihn mit ihrem nichtigen Geschwätz belästigt, bis er sie angefaucht hatte, dass sie den Raum verlassen solle. Erst als die Frau aus dem Zimmer gewuselt war, die Wangen nach seiner scharfen Bemerkung leicht gerötet, erlaubte er es sich, sich zu Hermine umzudrehen.

Ihr Haar war noch etwas feucht, obwohl er gehört hatte, wie Nettie einen Trocknungszauber über sie gesprochen hatte. Sie hatte ein weißes Nachthemd angezogen bekommen, praktisch und schlicht, doch ihre Arme waren unverhüllt.

Er stand an ihrem Fußende, sah vorsichtig auf sie herab und seufzte. Er war froh wieder da zu sein. Das Gefühl der Leere, welches er in der vorangegangenen Woche erfahren hatte, schien bei ihrem Anblick abzunehmen.

Er ging an ihre Seite und setzte sich in den Stuhl neben ihrem Bett, ehe er sie wieder anschaute. Ihre Haut schien genauso blass wie seine eigene zu sein, fast durchscheinend an ihren Wangenknochen. Ihre Arme waren lang und dünn, doch die Muskeln waren noch immer gut ausgeprägt. Er nahm an, dass Netties Pomfrey sie physisch manipulierte, um sie vor dem Verkümmern zu bewahren und gab widerwillig zu, dass sie ihre Arbeit wirklich gut machte. Er schaute herunter auf ihre Hände und bemerkte, wie klein diese waren. Ihre Finger waren schmal und plötzlich erinnerte er sich an das Gefühl, wie sie sich in seine Armbeuge schoben, ganz so, als ob es wirklich geschehen wäre und er es nicht nur geträumt hätte.

Zum ersten Mal in dieser Woche spürte er, wie er sich entspannte und mit einem gemurmelten Seufzen sank er tiefer in seinen Stuhl. Sein Kinn sank auf seine Hand und es dauerte nicht lange, bis seine Schultern von selbst tiefer sanken, seine Augen mit jeder verstreichenden Sekunde schwerer wurden - bis er sehr bald eingeschlafen war.

Er war in seinem Quartier, doch es hatte sich irgendwie verändert. Es war das Gefühl, dass alles noch zugestopfter war als üblich, wahrscheinlich verursacht durch den extra Kleiderschrank an der Wand und den Büchern, die auf jeder Seite des Bettes hoch gestapelt waren. Er war verblüfft, doch er schrak auf, als er ein Geräusch hinter sich hörte.

Hermine war im Türrahmen zu seinem privaten Badezimmer aufgetaucht, ihre nasse Masse aus Haaren in ein großes Handtuch gewickelt und einen glühenden Ausdruck im Gesicht. Sie hatte sich seinen Bademantel ausgeliehen - den Silbernen mit der grünen Schlange auf der Tasche. Der Gürtel war nachlässig um ihre Taille geknotet und ließ eine aufreizende Menge Haut sehen.

„Wieso trägst Du den?“ , fragte er, als er sie sah. Sie stand mit einer solchen Selbstverständlichkeit dort, als ob der Bademantel schon immer ihr gehören würde und die Räume ihre wären und nicht seine.

„Oh, Severus“ , schalt sie ihn in dieser Stimme, der Tonfall dem eines Kindes und der einer Frau vermischt in einer Art und Weise, dass sie direkt an seinen Ohren vorbei und in die Tiefen seiner Seele glitt. „Ich mag diesen samtigen Mantel, ich fühle mich wie eine Katze, wenn ich ihn trage.“

Ein Großteil von ihm glitt bereitwillig tiefer in diese Traumlandschaft, akzeptierte sie als Realität, während der rationale Teil von ihm – wenn auch ziemlich klein in diesem Moment - sich das Ganze mit beschämter Verlegenheit ansah.

„Du siehst aus wie eine abgesoffene Löwin“ , hörte er sich selbst sagen, während seine Füße ihn zu ihr trugen.

„Und Du wie ein Panther, bereit zum Sprung“ , lächelte sie zurück. „Aber zuerst, würde es dir etwas ausmachen mein Haar zu kämmen, ehe es in Knoten trocknet?“

Sie nahm das Handtuch ab, schüttelte ihr Haar und reichte ihm eine Bürste. „Ich liebe es, wenn du meine Haare kämmst. Es ist so entspannend.“

Er nahm die Bürste in die Hand und starrte für einen Moment darauf, er hatte sein eigentliches Ziel vorübergehend aus den Augen verloren. Er sah auf und sah sie beide vor einem Frisiertisch, Hermine saß auf einem Stuhl, ihren Rücken ihm zugewandt. „Nun, beeil dich“, stichelte sie und er konnte ihr Lächeln sehen, als es sich in dem Spiegel reflektierte.

Die kleine rationale Stimme in seinem Hinterkopf verstummte angesichts der Wärme in ihrem Lächeln. Er streckte seine Hand aus und ihr Haar wickelte sich um seine Finger wie eine Umarmung, die Bürste glitt in einem leichten Rhythmus hindurch. Der Duft ihres Shampoos war anregend, eine exotische Mischung aus Fresien und Jasmin, so unerwartet kräftig, dass seine Sinne wankten.

Die Stille um sie herum wurde nur durch das leichte Streichen der Haarbürste in seinen Händen und ihr Atmen unterbrochen. Hermine hatte einen Arm auf dem Frisiertisch platziert und den Kopf so weit in den Nacken gelegt, dass er fast seine Brust berührte, wenn sich ihr Kopf unter den Bewegungen der Bürste noch weiter nach hinten bog.

Er konnte ihr Herz sehen, wie es gegen ihr Schlüsselbein pochte und fragte sich flüchtig, wie es sein würde diese flatternde Bewegung zu kosten - seine Zunge über den pulsierenden Punkt gleiten zu lassen und seine Lippen um ihr Schlüsselbein zu legen und daran zu saugen. Die Bewegungen seiner Hände durch ihr Haar wurden immer träger. Die Bürste fiel zu Boden, direkt neben seinen Füßen.

Er lehnte sich nach vorne und spürte wie sich sein Kopf , wie aus eigenem Antrieb, an ihren Nacken schmiegte, während er ihren Namen flüsterte. „Hermine....“


„Severus...“

„Professor Snape.... Professor Snape? Sind sie in Ordnung?“

Snape wurde schlagartig wach. Die Muskeln in seiner Brust schrien vor Empörung auf, als er sich zu schnell aufsetzte, sein Kopf fuhr mit einem scharfen Ruck von Hermines Bett auf. Er war neben ihr eingeschlafen und sein Körper dabei in eine unbequeme, halb sitzende Position gesunken. Er konnte eine leichte Falte auf seiner Wange spüren, die ihr Bettlaken hinterlassen hatte und spürte, wie er blass wurde vor Verlegenheit, als die Handlung seines Traumes wie eine Sturzflut über ihn hereinbrach.

Am Fuß des Bettes betrachte Nettie Pomfrey ihn mit etwas Besorgnis. „Sie sehen blasser aus als sonst, Professor Snape. Weiß Poppy das Sie hier sind? Ich wette nicht. Ich wage zu behaupten, dass es so aussieht, als könnten Sie einige Stunden erholsamen Schlafs gebrauchen.“

Snape hatte sie angestarrt, während eine fade Röte sich ihren Weg seinen Nacken herauf suchte und die Hitze seines Gesichtes nur durch die Hitze seiner Laune übertroffen wurde. Er konnte sich nicht genau erinnern, wie er auf Pomfreys Besorgnis geantwortet hatte, doch er wusste, dass es nicht freundlich gewesen war.

Als sie ihn in seiner Flucht aufgehalten hatte, um zu erfragen wann er wieder kommen würde, hatte er sich am Türrahmen selbst Halt geben müssen, um den aufflackernden Schmerz in seiner Brust überstehen zu können. ´Gar nicht!´ hatte er geknurrt und versucht, das plötzliche Bedürfnis vor lauter Qual aufzuschreien zu unterdrücken. Er konnte es sich nicht erlauben Hermine....nein, Miss Granger..... jemals wieder zu sehen.

Verfluchte Poppy und ihr ständiges Einmischen; ihre verfluchten Anspielungen und ihre Sticheleien! Es war allein ihre Schuld, dass er von Hermine träumte - sie war diejenige gewesen, die diese Andeutung in seinen Kopf gepflanzt hatte, dass er eventuell Gefühle für dieses Mädchen haben könnte. Sonst hätte er nie in dieser Art und Weise an sie gedacht. Er war genauso verdorben wie alle es von ihm dachten, heimlich nach dem Mädchen gierend, dem er zu helfen versuchte, von ihren weichen Händen und ihrem freundlichen Lächeln träumend und von den privaten Gesprächen die nur ihnen gehörten.

So oder so, ungeachtet aller Versuche der Verleugnung, er konnte sich nicht länger zum Narren halten. Er sorgte sich um das Mädchen, mehr als er sollte. Er dachte, dass er sie vielleicht sogar - liebte.

Old Ogden weiß wie man Feuerwhisky macht und Severus war wahrhaft dankbar dafür. Das Brennen, welches sich zu seinem Bauch herunterzog, war ein willkommener Schmerz im Verlauf der nächsten Wochen. Er war nicht an Miss Grangers Seite zurück gekehrt, ungeachtet des fast zwanghaften Bedürfnisses es zu tun. Er sperrte sich gegen seine niederen Instinkte zu ihr zu gehen. Sie war besser dran ohne ihn.

Seine Laune, die sich so schon schnell verschlechterte, war noch tiefer gesunken. Schüler und Kollegen munkelten in gleicher Weise, dass er noch unausstehlicher und ekelhafter als sonst sei, jetzt wo Voldemort weg war.

Das Geflüster lies ihn finster grinsen, „Was würden sie auch anderes erwarten? Ich bin der Schlimmste der Schlimmsten.“

Während des Tages unterrichtete er seine Klassen mit zielgenauer Grausamkeit, die alles verbrannte was sich ihm in den Weg stellte. Seine Schüler waren dermaßen verängstigt, das sie sich sogar davor fürchteten falsch zu atmen; sie befürchteten, dass er einen Strom von Schimpfwörtern über sie gießen würde, so schmerzhaft und entwürdigend, dass es sie an Ort und Stelle vernichten würde.

Snape war zufrieden. Es gab keinerlei Unfälle mehr in seinem Klassenraum.

Seine Kollegen gingen an ihm vorbei als sei er Luft, behandelten ihn genauso wie zu der Zeit, als er noch kein „Kriegsheld“ gewesen war, ignorierten ihn so gut wie sie konnten und gestalteten jedes Gespräch mit ihm so kurz und prägnant wie möglich.

Selbst Albus schien auf Abstand zu gehen, worüber er wirklich dankbar war. Snape hätte es nicht ertragen können, die Enttäuschung und Empörung in dem Gesicht des alten Mannes zu sehen. Was sonst würde er noch fühlen, wenn er erkannte, dass Severus sein Vertrauen missbraucht hatte - begonnen hatte, sich in einer Weise um die junge Miss Granger zu sorgen, die für einen Lehrer gegenüber seinem Schüler völlig unangebracht war.

Und wenn eine kleine Stimme ihn manchmal daran erinnerte, dass Hermine nicht länger seine Schülerin war und es auch seit einiger Zeit nicht mehr war, würde er sie rüde unter einer Flut von Selbsthass und Verachtung vergraben, so tief das sie möglicherweise erstickte.

Snape hatte alles was ihm einfiel versucht, um die Träume zu stoppen, doch nichts schien zu wirken. Selbst der Traumlos-Schlaftrank war nicht stark genug, um Hermine von seinem Geist fernzuhalten. So betäubte er sich jeden Abend mit Old Ogdens und versuchte so lange wie möglich wach zu bleiben. Seine Träume von Hermine brachten ihn um.

Es würde niemanden der ihn wirklich kannte überraschen, dass er ein Mann mit starken Leidenschaften und Gefühlen war. Jedoch wären sie überrascht, dass sich seine ganze Leidenschaft - der Umfang und die Tiefe seiner Gefühle – über die Dauer seiner Besuche bei Hermine, auf sie fokussiert hatten.

Nie in seinem Leben hatte er derart intensiv gefühlt, hatte sich nie mehr gehasst. Er hatte seine Vorsätze sie zu retten genommen, eine völlig uneigennützige Tat aus seiner Sicht, und sie in etwas pervertiert, das niederträchtig und beschämend war. Er fragte sich, ob er dazu verflucht war, immer alles Gute und Reine in seinem Leben zu zerstören; jeden Fortschritt mit dem Bösen, welches ihm innewohnte, zu verderben.

Wenn Hermine wirklich gesund gewesen wäre, wäre sie schreiend fortgerannt, wenn sie auch nur den Hauch einer Ahnung davon gehabt hätte, was er für sie empfand. Sie würde ihn nie so willkommen heißen, wie sie es jede Nacht in seinen Träumen tat; mit einem Lächeln und sanften Worten, zarten Liebkosungen, die ihn zu Staub unter ihren Füßen verwandelten. Er war ein Tier. Er blieb zu ihrem eigenen Besten fern von ihr und versuchte sich selbst im Alkohol zu ersäufen.

Etliche Wochen nach seinem letzten Besuch kam Potter in seine Räume gestampft. Der junge Mann hatte noch nicht einmal den Anstand auf eine Einladung zum Eintreten zu warten und wenn Snape nicht schon sein zweites Glas Whisky intus gehabt hätte, hätte er sich wahrscheinlich überlegt, den Jungen zu verhexen.

Doch so hob er nur eine Augenbraue, „Potter, was für eine unangenehme Überraschung.“

Harry hatte sich unbändig in den Sessel gegenüber dem von Snape geworfen und registrierte mit einem grimmigen Blick Snapes heruntergekommene Erscheinung. „Ist es nicht ein bisschen zu früh an einem Samstag um zu trinken, Snape?“

„Verpiss dich, oder schenk dir selbst einen Drink ein. Es kümmert mich beides nicht.“

„Sie sind ein Bastard, wissen Sie das?“, zischte Potter, als er sich selbst einen Drink eingoss.

„Das erkennst du erst jetzt? Tse, tse, Potter. Ich wusste schon immer das du langsam bist. Weshalb habe ich deine unerfreuliche Anwesenheit verdient?“

„Ich kann es nicht glauben, dass Sie mir nichts über Hermine erzählt haben!“

Snape schnarrte: „Ich habe nicht mitbekommen, dass wir jetzt Vertraute sind. Warum sollte ich dir irgendetwas über Hermi.... Miss Granger erzählen.“

„Verdammt noch mal, weil sie stirbt! Nettie Pomfrey erzählte mir, dass sie im sterben liege und das es nichts gäbe, was ich für sie tun könnte!“ Der junge Mann zitterte vor Wut, seine Augen schwammen in unvergossenen Tränen. „Ich bin heute zu ihr gegangen, um sie zu sehen und sie.... sie...“, seine Stimme brach plötzlich, die Tränen liefen, „sie ist die Einzige die ich noch habe und ich verliere sie. Ich kann nicht glauben das Sie es mir nicht erzählt haben!“

„Was meinst Du damit, Junge?“ Snape fühlte eine plötzliche Kälte in sich, als ob er in Eiswasser getaucht wäre. Der Muskel, aus dem sein Herz bestand, hatte begonnen schmerzhaft gegen seine Brust zu pochen, „Was meinst Du damit, sie stirbt?“

„Wie können Sie das nicht wissen? Sie sehen sie jeden Tag - Albus erzählte es mir vor ein paar Wochen, als ich ihn fragte was Sie tun. Er sagte Sie versuchten eine Heilmethode für sie zu finden, oder nicht?“, fragte er aufgebracht.

„Ich habe Miss Granger nicht mehr besucht, seit der Woche von Creeveys Unfall“, zischte Snape. „Nun, warum denkt Nettie, dass sie stirbt?“

„Wegen allem“, flüsterte Potter, „ihr Haar fällt aus und ihr Körper - sie hat sich zusammengerollt und ihre Haut ist so grau. Ich war heute morgen bei ihr um sie zu besuchen und sie sieht aus wie eine Leiche. Ich... Ich konnte nicht... Das letzte Mal als ich sie sah, sah sie so aus wie immer und das ist erst zwei Wochen her! Jetzt sieht sie aus als wäre sie aus Zweigen gemacht.!

Snape stand auf, ließ sein leeres Glas auf den Steinboden fallen und beobachtete dessen Zersplittern mit ungewöhnlicher Gleichgültigkeit. „Ich muss gehen.“ Er sah zu Harry, sah die Tränen und die Blässe des Jungen und spürte eine seltsame Verbundenheit mit ihm. „Geh und hole Albus, sag ihm er soll mich im St. Mungos treffen.“

Er hatte nicht gewusst was er erwartet hatte, doch dieser bewegungslose Körper auf dem Bett war es nicht. Sie war noch weit schlechter dran, als Potter es beschrieben hatte. Sie sah fürchterlich aus, noch schlimmer als an dem Tag, an dem er sie zum ersten Mal im St. Mungos besucht hatte, als sie praktisch haarlos und zerbrechlich wie ein Kätzchen dagelegen hatte.

Im Verlauf der letzten anderthalb Jahre hatte sie es geschafft, den Ausdruck von Gesundheit und Vitalität zurückzuerhalten, den er so sehr mit ihr verband. Er nahm an, dass das eines der Dinge war, die es Potter so schwer machten sie zu besuchen - sie sah einfach genauso aus, wie zu dem Zeitpunkt, als sie ins Koma gefallen war - fast so, als würde sie sich gleich aufsetzen und beginnen jede Menge Fragen zu stellen, die ihn auf lange Sicht verärgern würden, selbst wenn er diese Herausforderung genießen würde.

Aber jetzt- bei Merlin! Ihre Haut, normalerweise blass honigfarben, war weißer als dieser Milchtoast, den Poppy ihm aufgezwungen hatte, als er im Krankenflügel gelegen hatte. Unter ihrer Haut zeichneten sich ihre Knochen scharf ab. Der stabile Muskeltonus, der vor zwei Wochen noch deutlich sichtbar gewesen war, war verschwunden und sie hatte sich in einer fötalen Haltung auf der Seite zusammen gerollt. Ihr wundervolles Haar - das Haar das sich in seinen Träumen um seine Hände gewickelt hatte - war strähnig und leblos; wie Stroh und völlig brüchig - nicht die unbezähmbare Masse aus Locken, die sich um seine Finger geschmiegt hatten, in den wenigen Momenten, in denen er es sich erlaubt hatte sie zu berühren.

Nettie Pomfrey sah ihn mit etwas wie Mitleid an, als er die gebrochene Gestalt von Hermine anstarrte.

„Warum liegt sie auf der Seite?“, fragte er, „Wieso haben sich ihre Arme und ihre Beine so zusammengezogen?“

„Das passiert, wenn Patienten zu lange in einem langwierigen Koma liegen. Die Sehnen verlieren ihre Elastizität und schrumpfen.“

Snape antwortete nicht, trat nur näher ans Bett heran und streckte seine Hand aus. „Sie hat so viel Gewicht verloren. Sie sieht so aus, als könne eine einzige Berührung sie zerbrechen. Was ist passiert?“ Sein Ton war nicht sarkastisch, oder fragend, nur traurig und fast flehend.

„Ich weiß es nicht“, antwortete Pomfrey. „Sie begann sich nach ihrem letzten Besuch zu verschlechtern. Ich kann nichts mehr für sie tun.“

„Ich kann das nicht akzeptieren“, murmelte er. „Ihr guten Götter dort oben...“

Er spürte, wie er an ihrer Seite in die Knie sank, seine Hand streckte sich aus und schob vorsichtig ihr brüchiges Haar von ihren Augen.

Sie hatten sich nicht verändert. Sie waren noch immer weit geöffnet und leer, lehmfarben, wo einmal die Farbe von Zimt und die Sprenkel aus Gold gewesen waren, die mit einer Intelligenz aufblitzten von der er dachte, dass sie es mit seiner aufnehmen könnte. Er wurde von ihrem Blick gefangen genommen, versank in ihren Augen. Ihre absolute Leere verspottete ihn; klagte ihn an. Er hatte sie enttäuscht, trotz seines Versprechens.

Ein unglaubliches Gewicht setzte sich in seiner Brust fest, erstickte ihn. Er konnte praktisch schon den schattenhaften Geist des Todes über ihr schweben sehen und plötzlich erkannte er, dass wenn sie starb, ein Teil von ihm - der Teil, den er erst zu erkennen begann - mit ihr sterben würde.

Er sah ihr noch einmal in die Augen und erinnerte sich daran, wie sie einmal gewesen waren - entschlossen sie nicht gehen zu lassen. Als er spürte wie er in das Braun fiel, sandte er seinen Geist nach ihrem aus und während er das tat, rief er ihren Namen. Er konnte das Echo seiner Stimme in den leeren Gängen ihres Geistes hören und die völlige Trostlosigkeit dieses Geräusch ließ ihn erschaudern. Er war verrückt gewesen, zu denken, er würde hier irgendwelche Überreste des Mädchens finden, das er einmal gekannt hatte.

Sie war fort. Seine letzte Möglichkeit zu einer Rettung und sie war fort. Er war ein Narr.

Seine Hand streckte sich aus und berührte ihren Kopf, spürte die zerbrechlichen Knochen ihres Schädels unter seiner Handfläche, „Nein“, flehte er in ihrem Geist, „Nein!“

Und in diesem Augenblick fühlte er es, nur ein leichtes Streifen von – irgendetwas - gegen seine Gedanken. Die Berührung war aufregend, so sachte, dass er befürchtete sie sich nur eingebildet zu haben. Sein Blick fokussierte und verschmälerte sich, sein Geist streckte sich plötzlich aus und erforschte weiter. „Miss.... Miss Granger? Hermine?“

Er verfolgte das Gefühl durch Korridore hindurch, die um ihn herum zu Staub zerfielen, schob sich an überwucherten großen Bäumen vorbei, stieg unsicher über Ziegel und gebrochenen Mörtel. Vor sich konnte er eine vage bekannte, schwarze Tür erkennen, halb verrottet und schief in ihren Angeln hängend.

Er brauchte eine ganze Weile um dorthin zu gelangen und die Tür vorsichtig zu öffnen. Sie zerstob bei seiner Berührung, der Staub rann durch seine Finger und verschwand, ehe er den Steinboden erreichte. Er blinzelte angesichts des plötzlichen Schutts, wagte kaum zu atmen. Er konnte ein Weinen hören.

„Hermine?“

Für einen Moment sah er nur Finsternis, bevor sie weit auseinanderbrach in einem Kaleidoskop aus Farben. Seine Knie knickten ein unter dem plötzlichen Ansturm von Gefühlen die er spürte - Wut, Schmerz, Einsamkeit, Verzweiflung - eine Depression die so stark war, dass sie ihn fast übermannte und drohte, ihn zu verschlingen.

„Severus?“, ihre Stimme war die eines Engels, die Stimme der Vergebung, die Stimme der Wiedergutmachung und Erlösung, „Bist Du es wirklich? Bist Du es wirklich?“

Er sank vor ihr auf die Knie, sagte sich selbst, dass die Feuchtigkeit in seinen Augen von dem Staub um ihn herum herrührte. „Ich bin es, Hermine. Ich bin hier.“

Sie glitt aus dem großen Stuhl, in dem sie zusammengerollt gewesen war, warf ihre Arme um ihn und vergrub sich in seiner Brust.“Severus, wo bist Du gewesen? Ich habe dich so sehr vermisst!“

In dem eingestürzten Zaubertränkeklassenzimmer, zwischen den Rissen im Steinboden, begannen Blumen zu blühen!


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