
von eule20
Kapitel 9 Nettie
So lange ich lebe, werde ich nie den Tag vergessen, an dem Professor Snape zu Miss Granger zurückkehrte. Das Bild eines Mannes, halb verrückt vor Sorge, seine Augen blank vor überwältigender Furcht, hatte sich genauso scharf in mein Gedächtnis eingebrannt wie ein Foto.
Zwei Wochen und ein Tag waren vergangen, seit er das letzte Mal hier gewesen war, seit er geschworen hatte, nie wieder zurück zu kommen. Diese zwei Wochen waren ihm nicht gut bekommen. Ich hatte mich an sein sicheres Auftreten gewöhnt, zugeknöpft bis oben hin und sehr formell in seinem Gehrock und seinen Roben - nicht hemdsärmelig, mit offenen Ärmel- und Brustknöpfen. Er roch schal, wie verbrauchte Luft, mit einer starken Betonung auf Whisky. Sein Haar, welches normalerweise geordnet war - wenn es auch nur knapp an Sauberkeit grenzte - war noch fettiger als sonst und völlig ungeordnet. Er sah aus als hätte er tagelang nicht gebadet. Für einen Mann den ich immer nur als sehr anspruchsvoll und imposant empfunden hatte, war diese Erscheinung einfach schockierend.
Ich versuchte mir meinen Schock nicht ansehen zu lassen, als er es endlich schaffte seinen Blick von Miss Granger abzuwenden.
"Warum liegt sie auf der Seite?", hatte er gefragt, "Wieso haben sich ihre Arme und ihre Beine so zusammengezogen?“ Seine Stimme war heiser, als müsste er sie aus seiner Brust herauszwingen.
"Das passiert, wenn Patienten zu lange in einem langwierigen Koma liegen", antwortete ich sanft, "Die Sehnen verlieren ihre Elastizität und schrumpfen.“
„Sie hat so viel Gewicht verloren. Sie sieht so aus, als könne eine einzige Berührung sie zerbrechen. Was ist passiert?“ Die Beengtheit in seiner Stimme hatte zugenommen und kratzte in seiner Brust. Er trat einen Schritt auf sie zu, streckte eine zitternde Hand aus, in dem Wunsch sie zu berühren. Seine Verzweiflung war greifbar. Ich glaube in diesem Moment begann ich ihn zu verstehen, wenn auch nur ein bisschen. Ich musste das Bedürfnis unterdrücken zu ihm zu gehen und ihn zu umarmen, wie man ein kleines Kind in den Armen hält, um ihn von allen Gefahren die die Welt einem bieten konnte zu beschützen.
"Ich weiß es nicht", antwortete ich stattdessen sanft, "Sie begann sich nach ihrem letzten Besuch zu verschlechtern. Ich kann nichts mehr für sie tun.“
In all den Jahren als Medihexe habe ich mehr als genug Leute gesehen die zerbrachen, wenn sie dem Tod von jemandem ins Auge blicken mussten, den sie liebten. Ehemänner und Ehefrauen brachen vor Verzweiflung zusammen, wenn ihre Partner in ihren Armen starben, Eltern klagten mit unerträglichen Leid, wenn ein geliebtes Kind den verschiedenen Verletzungen oder Krankheiten erlag; es war immer schwer das mit anzusehen. Aber das hier... nun, wenn ich mir jemals vorgestellt haben sollte, er könnte das Mädchen wohlmöglich lieben, so ließ seine Reaktion keine Zweifel daran übrig. Er zerbrach vor meinen Augen, seine Trauer und seine Schuldgefühle waren unübersehbar und erdrückend. Ich konnte sein Herz aus drei Metern Entfernung zerbrechen hören.
"Ich kann das nicht akzeptieren", murmelte er. "Ihr guten Götter dort oben..."
Und dann war er an ihrem Bett auf die Knie gesunken, seine Hände zitterten über ihren Schultern, während er in ihre leeren, befremdlichen Augen sah. Seine Stimme war kurz davor zu brechen, als er sprach, "Miss... Miss Granger... Hermine?"
Ich wusste nicht was ich für ihn tun konnte. Ich wusste nicht wie ich die Wellen der Trauer besänftigen konnte, die von ihm herüberschwappten und fragte mich vage, wie er ihren Verlust überleben sollte. Wissen Sie, ich hatte nicht daran gezweifelt, dass Miss Granger sterben würde. Überhaupt keinen Zweifel.
Ich stand da wie festgefroren, als ein Mann, von dem ich immer gehört hatte das er so kalt wäre, ein Mann, der als rüde, herzlos und dunkel beschrieben wurde - ein Mann der mich zu vielen Gelegenheiten mit seiner scharfen Zunge verletzt hatte, an dem Bett eines Mädchens, welches nur halb so alt war wie er, zusammenbrach.
"Nein", seine Stimme war leise und bittend, die Qual die aus diesem einen Wort herausklang, war ausdrucksvoller als tausend Geschichten. "Nein!"
Seine langen schlanken Hände strichen durch ihr Haar, erst die eine dann die andere, schlossen sich um ihren Hinterkopf, als er sich vorlehnte und seinen Oberkörper über die Kante des Bettes schob. Er presste seine Stirn an ihre, sein Atem ließ ein paar ihrer brüchigen Haare aufwirbeln, die auf ihrer Wange lagen.
Zuerst war ich nicht sicher was er da tat. Meine Wünsche waren zwiespältig, meine Professionalität drängte mich dazu dem Mann seine Privatsphäre zu geben, auch wenn ich mich verpflichtet fühlte ein Auge auf die Situation zu haben. Doch zu guter Letzt konnte ich nur weiter zusehen, völlig verzaubert, als eine fühlbare Magie den Raum füllte und sich auf den Mann und meine Patientin fokussierte.
Mehrere Dinge fielen mir gleichzeitig ein, die Informationsfetzen die ich von Poppy hatte, Snapes starrer Blick der auf Miss Granger gerichtet war und die Magie die mir im Nacken prickelte. Er versuchte Legilimentik bei ihr einzusetzen, durchsuchte ihren Geist mit seinem eigenen, um einen Hinweis zu erhalten, dass sie dort war. Ich biss mir auf die Lippe bei diesem sinnlosen Unterfangen. Es würde nicht funktionieren.
Poppy hatte mir erzählt, dass Dumbledore mehrfach versucht hatte, Miss Granger auf diese Art zu finden. Sie hatten sie nicht eher ins St. Mungos gebracht, ehe er zugegeben hatte, dass es nichts zu finden gab und dass sie dort nichts mehr für sie tun konnten. Sie hatte mir erzählt, dass der alte Mann fast daran zerbrochen wäre, als er das tun musste. Hermine Granger war sehr beliebt bei ihm gewesen.
Ich wollte zu Professor Snape gehen und wollte ihn fragen was ich für ihn tun könnte, doch ich hielt mich zurück. Seine vergangenen Zurechtweisungen hatten mich gelehrt vorsichtig zu sein, die Art von Vorsicht die man bei einem streunenden und beißenden Tier an den Tag legte. Aus früherer Erfahrung wusste ich, dass alle Versuche des Zuspruches und Freundschaft von diesem Mann verwehrt wurden. Ich wusste nicht wie ich ihm helfen konnte.
Nach einer undefinierbaren Zeitspanne bemerkte ich, dass sich sein Atem beruhigt hatte und weniger heftig war. Sein Gesicht war noch immer gezeichnet von Verzweiflung, doch ein seltsames Gefühl der Ruhe schien ihn erfasst zu haben, seit er sie in dieser seltsam intimen Umarmung hielt. 'Ich bin hier, Hermine. Ich bin hier.'
Und dann - Stille. Die seltsamste Stille die ich je gehört habe, wenn ihr wisst, was ich meine. Es war, als könnte ich von meinem Platz aus sein Herz schlagen hören, ein beständiges Bumm, Bumm, Bumm, das sich verlangsamte und ruhiger wurde. Nach einer Weile hörte ich einen hallenden Klang und realisierte, dass er von Miss Granger kam. Ich stand da wie paralysiert, als sich ihr Atem dem seinen anpasste, ihre Brust hob und senkte sich in dem Augenblick in dem es seine tat, ihr Herzschlag, welcher so unstetig und schwach gewesen war, normalisierte sich und antwortete ruhig auf seinen.
Seine Lippen bewegten sich, doch ich konnte kein Wort hören. Er hatte sich irgendwie auf ihr Bett gelehnt, sein Oberkörper wurde von ihrem gestützt. Seine Hände waren noch immer in ihrem Haar vergraben, seine Stirn presste sich noch immer an ihre, sein Mund war nur Zentimeter von ihrem entfernt. Sein Atem schien fast Substanz zu haben - es war als ob ich ihn sehen konnte, wie er aus seinen Lippen glitt und in ihren Mund hinein, ehe sie es ihm wieder zurückgab. Sie atmeten miteinander.
Ich starrte auf diese seltsame, intime Szene vor mir, unfähig mich zu bewegen oder nur zu blinzeln, entzückt von dem Schauspiel, als Professor Snape versuchte wieder Leben in diesen zerbrechlichen Körper zu bringen. Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, ich hätte es nicht geglaubt. Es war Magie in ihrer reinsten Form.
Verzeiht mir wenn ich völlig überrascht wurde, als ich eine wütende und bestürzte Stimme brüllen hörte, "Was macht er mit ihr?" Harry Potter stürzte in den Raum hinein, zerrte Professor Snape brutal von Miss Granger weg, zog ihn vom Bett, drehte ihn um und schlug ihm so hart wie er konnte mit der Faust ins Gesicht.
In dem Moment als Potter ihn losließ, fiel Professor Snape kurzerhand zu Boden, sank auf seine Hände und Knie, den Kopf gesenkt. Als er ihn endlich hob, brannten seine Augen vor kalter Wut und setzten sich an dem jungen Mann fest. "Du dämlicher Kerl!", schnarrte er, "Du verfluchter Idiot! Ich könnte dich umbringen! Weißt du was du gerade getan hast?" Seine Stimme wurde immer bösartiger, als er langsam auf die Füße kam, das Blut ignorierend welches aus seiner Nase tropfte, während er auf den jungen Mann zuschritt. "Ich habe mit Hermine geredet! Ich hatte sie gerade davon überzeugt, dass ich real bin, als DU MICH VON IHR WEGGEZERRT HAST!"
Mr. Potter zuckte nicht einmal mit der Wimper, sein Gesicht war aus Stein und völlig kalt, als er nach seinem Zauberstab griff. Albus Dumbledore, der den Raum ebenfalls betreten hatte, ohne das ich es bemerkt hatte, schritt schnell ein, "Hört sofort auf, alle beide!"
Professor Snape knurrte den alten Mann wütend an, doch er stoppte seinen unfreundlichen Anmarsch in Richtung des Jungen. Mr. Potter grinste den Mann an, ehe er Dumbledore ansah. "Ich habe ihnen doch gesagt, dass er etwas im Schilde führt. Er hilft ihr nicht, er belästigt sie!"
Dieser dumme Junge. Ich ging vorwärts, plötzlich wütend zu Professor Snapes Gunsten, "Mr. Potter, ich bezweifle dass er sie belästigt hat, so wie Sie es behaupten, wenn ich mit im Raum bin."
Der Professor und Potter zuckten beim Klang meiner Stimme zusammen, doch Dumbledore neigte einfach nur seinen Kopf in meine Richtung und nickte mir zu, "Nettie, es ist schön Sie wieder zu sehen."
Ich antwortete mit einem Nicken, fuhr aber damit fort Mr. Potter mit einem strengen und tadelnden Blick festzunageln. Wirklich, der junge Mann hatte weder Sinn noch Verstand. Ich wusste schon, dass er und Professor Snape keine Freunde waren, aber - er hatte doch Augen im Kopf. Alles was er tun musste war zu Miss Granger zu schauen, um zu wissen, dass Professor Snape sie in keinster Weise verletzt hatte. Tatsächlich sah es so aus, als hätte er ihr geholfen.
"Sehen Sie sich Miss Granger an, Mr. Potter. Sehen Sie sie sich einfach nur an! Sehen sie sich ihr Haar an, ihre Haut! Wirkt sie auf Sie genauso krank wie heute Morgen? Tut sie es? Es ist nicht wegen mir, dass sie besser aussieht; das kann ich ihnen versichern. Es war Professor Snape - er hat etwas mit ihr gemacht!"
Selbst während ich noch redete, fuhr sie damit fort besser auszusehen. Ihr Körper war noch immer zusammengerollt, aber ihr Haar hatte seine Geschmeidigkeit während unserer Unterhaltung zurückgewonnen, das Braun wandelte sich zu diesem schokoladigen Ton, an den ich mich so gut erinnerte. Ihre Haut hatte den Grauschleier verloren und kehrte schnell zu ihrer normalen Farbe und dem honigfarbenen Teint zurück. Ich war mir sicher, mit etwas Zeit, würden ihre Gliedmaßen ebenfalls ihre normale Haltung und Geschmeidigkeit zurückerlangen. Hermine Granger lag nicht mehr im Sterben.
Ich kann nicht sagen wer bei dieser Offenbarung überraschter war, Mr. Potter oder Professor Snape. Während der junge Mann seine beste Freundin anstarrte, schien Snape in sich selbst zusammenzubrechen. Das Zittern, welches ich anfangs bei ihm beobachtet hatte, war zurückgekehrt und er erlaubte es sich selbst in einen Stuhl zu sinken.
"Hermine", flüsterte er, sich zu ihr lehnend.
"Fassen Sie sie nicht an, sie Scheißbastard", schnarrte Potter mehr oder weniger, während er sich schnell auf ihre andere Seite stellte. "Was geht hier vor?"
"Das würde ich auch gerne wissen", unterbrach Dumbledore milde. "Du sagtest du hättest mit ihr – gesprochen - Severus?"
"Ja", verkündete Snape rundheraus, "Ich habe mit ihr gesprochen. Sie ist da, Albus - sie ist die ganze Zeit schon da gewesen und wir wussten es nicht. Was auch immer das für ein Fluch war, er sperrt sie in ihrem eigenen Geist ein."
"Und du hast Legilimentik benutzt, um sie zu finden?" Dumbledore strich sich mit einer Hand durch seinen langen Bart und tippte sich dann nachdenklich gegen seine Lippen. "Interessant."
"Er lügt", platzte Potter heraus. "Er muss es tun. Sie haben es mit Legilimentik bei ihr versucht, Professor Dumbledore, mehrere Male! Wenn Sie sie nicht finden konnten, wie sollte er es dann schaffen?"
"Ich lüge nicht." Die volle Kraft von Snapes Blick war auf den Jungen fixiert. "Sie ist da."
"Ich habe schon früher gesehen, wie Sie Legilimentik anwenden, Snape", Mr Potter zischte spöttisch seinen Namen. "Tatsächlich, sollte ich mal ihre Erinnerung auffrischen, wie sie an mir Legilimentik anwandten und sie hatten es nicht nötig auf mir drauf zu liegen, um arbeiten zu können."
Professor Snape wurde blass, schaffte es aber dennoch höhnisch zu bemerken: "Eifersüchtig, Potter?"
Ich versuchte mir ein Lachen zu verkneifen. Der Mann konnte auf eine delikat sarkastische Weise fürchterlich lustig sein. Mr. Potter versteifte sich etwas, antwortete jedoch nicht. Stattdessen wandte er sich Dumbledore zu. "Professor Dumbledore, Sie glauben ihm doch nicht etwa, oder?"
Der alte Mann tat einen Schritt vorwärts, sah sich die steife Haltung von Professor Snape an ehe er seinen Kopf zu Mr. Potter drehte und freundlich sagte: "Er lügt nicht, Harry."
"Aber das ist unmöglich! Das bedeutet doch, das sie da drin ist, gefangen... mit…dieser…das ist..."
"Beängstigend", bestätigte Albus traurig und kam näher um dem Jungen eine faltige Hand auf die bebende Schulter zu legen, "Severus, denkst du sie wird mir antworten, wenn ich selbst versuche mit ihr zu sprechen?"
Professor Snape hüllte sich lange in eisiges Schweigen. Ich bemerkte, dass seine Hand auf der Decke lag, direkt vor ihren schmalen Fingern, ganz so als wolle er sich davon abhalten sie zu berühren während Harry und Albus mit im Raum waren. "Ich weiß es nicht", gab er schließlich zu. "Sie erwähnte, dass sie dich sehen und hören konnte, als du es früher versucht hast, doch du konntest es nicht. Sie sagte, es wäre wie hinter einem Spiegel gefangen zu sein."
"Wie praktisch", schnarrte Potter.
Professor Snape ignorierte ihn, "Bedauerlicherweise hat sich Miss Grangers Verstand seit deinem letzten Versuch ziemlich verschlechtert. Als ich mit ihr sprach, war sie der Meinung, dass ich eine 'Manifestation ihres Unterbewusstseins' war. Es war kurz bevor Potter mich von ihr fortgerissen hat, dass sie begann zu glauben, dass ich wirklich da war und nicht irgendein Konstrukt ihrer selbstgebauten Welt bin. Sie hat die ersten Schritte Richtung Wahnsinn gemacht, Albus. Die meiste Zeit in der ich bei ihr war glaubte sie, sie würde träumen."
Potter starrte ihn erneut an, "Albtraum würde es wohl eher treffen."
Ich wollte dem Jungen einen Schlag auf den Hinterkopf verpassen. Ich wusste er war der Retter der Zaubererwelt, aber das hier, also wirklich! Bin ich jemals so jung gewesen?
"Harry", sagte Dumbledore milde, "Du hilfst uns in dieser Angelegenheit nicht gerade weiter. Severus, bist du dir sicher das du sie dir nicht nur eingebildet hast?"
Professor Snape wirkte beleidigt angesichts der Worte des alten Mannes, "Wirklich Albus, glaubst du ich habe mir das ausgedacht?"
"Natürlich nicht absichtlich. Doch du hast in letzter Zeit unter großem Stress gestanden und ich weiß wie sehr dich der Zustand von Hermine quält. Es ist nur natürlich, dass du willst, dass sie da ist."
"Ich bin nicht verrückt", zischte Snape. "Sie ist da. Versuch mit ihr zu reden. Selbst wenn sie dir nicht antwortet, erzähle ihr etwas, dass sie mir berichten kann, wenn ich zu ihr gehe und sie finde. Das sollte deine Zweifel fortwischen."
"Es ist ja nicht so, dass ich an dir zweifele, Severus", begann Albus, doch Professor Snape unterbrach ihn, seine Stimme war plötzlich müde.
"Ich weiß Albus. Tu es einfach."
Dumbledore und Snape tauschten die Plätze an Miss Grangers Bett. Der alte Zauberer beugte sich vorsichtig über sie und sah ihr tief in die Augen. Er berührte sie nicht.
"So wendet man Legilimentik an", flüsterte Potter nach einigen Augenblicken sarkastisch, "Keine Berührung."
"Klappe, Potter", knurrte Snape zurück, "Ehe ich mich dazu entschließe dir die Zunge rauszureißen."
Nach gut zehn Minuten richtete sich Albus auf und seufzte, "Ich spüre nichts."
Mr. Potter richtete sich mit hämischer Freude auf, "Ich wusste, dass er lügt."
Ich seufzte. Man könnte denken, dass es für den Jungen keinen Grund gab sich damit zu brüsten. Wenn Miss Granger wirklich nicht da war, war sie wirklich verloren und würde nie gesund werden. Professor Snape äußerte exakt denselben Gedanken gegenüber Potter, ehe er schnell Dumbledores Platz einnahm.
Gebannt sah ich zu, wie er sich erneut in ihrem leeren Blick verlor. Genauso wie vorher, begannen die Zwei im Gleichtakt zu atmen und Professor Snape streckte eine Hand aus, um ihr sanft das Haar aus der Stirn zu streichen. Für mich war es offensichtlich, dass er mit ihr sprach. Ein leichtes Lächeln glitt über seine Züge und besänftigte deren Strenge. Seine Hand glitt zu ihrer Schulter herunter und als er den Blick von ihr löste und aufstand, beließ er sie dort.
"Hermine möchte dass ich ihnen sage, dass sie ein verdammt großer Dummkopf sind, Potter und wenn Sie sich nicht beherrschen können, sollen sie verdammt noch mal aus ihrem Zimmer verschwinden."
Ich gab ein gedämpftes Kichern von mir, kein wirkliches Lachen, doch alle drei Männer drehten sich zu mir um. Einzig Professor Snape schien meine Erheiterung zu teilen.
"Das würden Sie sagen", antwortete Potter. "Was hat sie über Albus gesagt?"
Professor Snape drehte langsam seinen Kopf um den alten Mann anzusehen. "Sie wusste, dass du da warst, doch du konntest sie nicht hören. Sie sagt Danke, aber Nein Danke zu dem Zitronendrop welches du ihr angeboten hast. Sie denkt auch, dass der Grund, weshalb nur ich mit ihr reden kann, durch die gemeinsame Nähe kommt die wir hatten, als Malfoys Fluch sie traf. Sie hat den Großteil davon abbekommen, aber etwas davon schlängelte sich um sie herum und hüllte mich mit ein."
Dumbledore lächelte leicht, als er das hörte, "Ahhh.... Sie ist schon immer sehr intelligent gewesen." Seine Augen funkelten plötzlich belustigt, "Ich denke sie hat dir auch den Rest meiner Nachricht übermittelt."
Professor Snape bewegte sich mit Unbehagen, seine Augen huschten zu Miss Granger, bevor sie auf dem Bett hängen blieben. "Ja, du komischer alter Kauz", doch in seiner Stimme war nichts Böses zu erkennen.
Potter stand da wie vor den Kopf geschlagen. "Snape hat Recht? Sie ist wirklich dort?"
"Er gab das Wesentliche wieder, von dem was ich zu ihr sagte", stimmte Dumbledore zu. "Ich versuchte sie herauszulocken, indem ich ihr ein Zitronendrop anbot."
"Sie hasst Zitronendrops", verkündete Potter mit zitternder Stimme. "Sie ist wirklich dort. Heilige Scheiße."
"Heilige Scheiße, stimmt genau, Potter", schnappte Snape, doch er schien sich etwas entspannt zu haben, seine Stimme ließ ihre übliche Schärfe vermissen. "Ich will sie zurück nach Hogwarts bringen."
"Was?" Ich konnte sehen, dass Potter die Idee nicht besonders gut gefiel. "Was meinen Sie damit, Sie wollen sie nach Hogwarts zurückbringen.... mit ihnen?"
"Es würde es für alle Beteiligten einfacher machen, wenn sie in der Nähe ist. Sie von vertrauten Gesichtern abzuschotten, nur weil sie nicht mit einem kommunizieren kann, ist eine Grausamkeit zu der noch nicht einmal ich fähig bin, Potter", schnarrte Snape zu dem errötenden Jungen. "Sie ist da drinnen und jetzt wird es mir vielleicht möglich sein, eine Heilung für sie zu finden. Sie ist die schlaueste Hexe die ich je unterrichtet habe und ich brauche sie in meiner Nähe, damit wir gemeinsam daran arbeiten können."
"Ja, sie muss zurück nach Hogwarts kommen", stimmte Dumbledore zu, "Aber sie kann nicht im Krankenflügel sein. Poppy hat ohnehin schon so viel zu tun, sie kann nicht auch noch zusätzlich nach Miss Granger sehen. Du kannst auch nicht 24 Stunden am Tag bei ihr sein, Severus, wir müssen eine Alternative finden."
"Ich werde mitkommen", bot ich plötzlich an. "Ich kann eine Beurlaubung beim St. Mungos beantragen. Ich bin mit ihrer Situation und ihren Bedürfnissen vertraut und nach so langer Zeit, glaube ich behaupten zu können, dass ich zu ihrer Erholung beigetragen habe."
In Wirklichkeit konnte ich es nicht ertragen, den Rest des Dramas, welches sich hier abspielte, nicht mitzubekommen. Ich hatte begonnen mich um das Mädchen zu sorgen und seltsam genug, auch um Professor Snape. Ich wollte sehen ob ihre Geschichte das glückliche Ende fand, welches ich mir so für sie wünschte.
"Doch wo wird sie unterkommen?", warf Potter stirnrunzelnd in Richtung Professor Snape ein.
Dumbledore blickte den jungen Mann beruhigend an, "Es gibt noch ein paar extra Räume in den Kerkern, in der Nähe von Severus Räumen. Wir könnten ein Zimmer für sie und Madam Pomfrey herrichten. Sind sie sich sicher, dass sie das können, Nettie?"
Ich lächelte den alten Mann an, "Ich bin mir sicher, Sir. Es wurde eh Zeit für mich. Wann wollen sie sie wegbringen?"
"So schnell wie möglich", antwortete er, während er Richtung Tür schritt. "Ich kann hier bleiben und den Papierkram gleich erledigen. Wie schnell könnten sie kommen?"
"Sobald sie verlegt wurde", antwortete ich, ehe ich mich umdrehte und Professor Snape und Miss Granger anlächelte. "Haben Sie das gehört, Miss Granger?" fragte ich erfreut, "Professor Snape bringt Sie nach Hause!"
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel