
von eule20
Kapitel 14 Hermine
Es war die Hölle darauf zu warten, dass Severus zu ihr zurückkehrte. Natürlich wusste sie, dass er gehen musste - er konnte ja nicht jeden wachen Moment mit ihr in ihrem Geist verbringen - doch sie hasste es, wenn er ging.
Sie vermutete, dass sie es aus zwei Gründen tat - der erste und wichtigste war, dass sie ihn liebte und sich unglaublich leer fühlte wenn er nicht in ihrer Nähe war. Der zweite war nicht wirklich eindeutig, doch sie nahm an, dass er sich einfach darauf reduzierte, dass sie jedes Mal wenn er ging Angst hatte, dass er nicht mehr zurückkommen würde.
Nicht, dass sie ihm nicht vertraute. Sie tat es. Sie wusste, dass er immer zu ihr zurückkehren würde, solange er konnte. Wie auch immer, Hermine wusste genau, dass er nicht immer die Möglichkeit haben würde, zu ihr zu kommen und das war das, was sie ängstigte.
Nettie war einfach lieb - sie sprach mit ihr und ließ Kommentare fallen, wenn sie in Hermines Räumen umherwuselte, wenn Severus Hermines Räume verlassen hatte.
„Nun, meine Liebe“, hatte die ältere Frau verkündet, „Ich habe noch nie einen Mann gesehen der wegen einem so kleinen Kuss, so aus der Fassung geraten ist! Zu schade, dass es nicht funktioniert hat. Ich weiß dass Professor Snape... Severus... enttäuscht war.“
Nettie hatte gerade Hermines Kissen aufgeschüttelt, als sie das sagte und ließ ihre Hand tröstend über Hermines Kopf streichen. „Er hat dich danach ja noch lange besucht, nicht wahr? Er hat sich noch nicht einmal darum gekümmert das Sandwich zu essen oder den Tee zu trinken den ich ihm gebracht habe. Liebes, könntest du ihn daran erinnern, dass er essen muss? Er vertieft sich so sehr in die Dinge die er tun muss, dass er es manchmal vergisst. Er ist nicht der Typ Mann der es sich leisten kann abzunehmen - er ist wirklich dünn genug.“
Hermine protestierte, dass er doch mit ihr zu Mittag gegessen hat, ehe ihr bewusst wurde, dass das ja nicht wirklich zählte, auch wenn es wirklich real erschienen war. Sie hatten ein wundervolles Picknick in den Gärten, nahe der Gewächshäuser gehabt und hatten über andere Optionen und Ideen diskutiert mit denen sie Hermine befreien konnten, jetzt wo der `Märchenkuss` ausgeschieden war.
`Ich wusste, dass es nicht funktionieren würde´, wiederholte Snape, während er eine Orange schälte, die er kurz zuvor aus dem Korb geholt hatte.
´Ich wusste genauso, dass es nicht funktionieren würde´, stimmte Hermine grinsend zu, ´Aber es war der einzige Weg dich dazu zu bringen mich zu küssen.´
Er grinste daraufhin, eine leichte Röte zog sich seinen Nacken herauf, während er etwas von verborgenen Motiven murmelte, ehe er zu ihr aufblickte und lächelte. Er machte das öfter wenn er mit ihr zusammen war – lächeln - und jedes Mal wenn er es tat, war sie selbst atemlos. Sie hätte nie gedacht, dass sich ein Lächeln auf seinen harten Gesichtszügen gut machen würde, doch das Gegenteil war der Fall. Seine Lippen waren recht voll und sinnlich, wenn sie nicht zu seinem üblichen Spott verzogen waren und die tiefen Linien die neben seiner Hakennase herab liefen, sahen nicht so verboten aus, wenn er lächelte.
Er würde gewiss nie ein attraktiver Mann sein - Jahre des Selbsthasses und die Vernachlässigung seines Körpers garantierten das - doch er war ein sinnlicher Mann, in einer sehr bodenständigen und verführerischen Weise. Zusammen mit seiner unglaublichen Intelligenz konnte sich Hermine keinen Mann vorstellen der besser zu ihr passte. Für Hermine war er ein perfekter Mann - perfekt für sie natürlich.
Sie teilten sich die Orange, die er im gemeinsamen Schweigen zerteilt hatte, bevor sie wieder zu sprechen begann. ´Severus, wie wird es jetzt weiter gehen mit dem Fluch?´
´Ich weiß es nicht genau´, gab er zu.
´Die Märchen waren eine Pleite.´
´Ja. Aber wir werden nicht aufgeben, Hermine.´
´Was ist wenn wir nie eine Heilung finden werden? Was ist dann?´ Ihre Stimme zitterte, als sie das fragte und sie seufzte als Snape ihr Gesicht sanft anhob, seine Finger waren von der Orange noch ganz klebrig.
´Wir werden eine Lösung finden. Malfoy war ein intelligenter Mann, aber nicht intelligenter als du und ich. Wir werden es herausfinden, Hermine.´ Seine Stimme war stark und sicher, seine Augen verstärkten das Ganze noch, als er ihr Gesicht studierte.
´Du kannst nicht ewig daran arbeiten´, protestierte sie. ´Du hast dein eigenes Leben.´
Snape fuhr damit fort, ihr Gesicht mit seinen Fingern zu streicheln, ehe er ernst antwortete. ´Nicht wirklich. Ich unterrichte eine Horde von dummen Kindern in Zaubertränken, wo eine falsche Zutat, die im falschen Moment in den Kessel geworfen wird, mein Leben kosten kann. Ein bekannter Todesser zu sein, hat meinem sozialen Stand auch nicht gerade weiter geholfen...´
´Extodesser!`, unterbrach ihn Hermine, doch Snape zuckte nur halbherzig mit den Schultern.
´Ex oder nicht, es macht mich in den Augen der Öffentlichkeit nicht vertrauenswürdiger. Nicht das ich wirklich wert darauf lege´, fügte er hinzu, als er sah das sie ihn wieder unterbrechen wollte. ´Und die einzige Person mit der ich die meiste Zeit verbingen möchte bist du. Ich würde annehmen, dass das beste Leben, welches ich haben kann, daraus besteht dir zu helfen. Du bist mein Leben, du dummes Mädchen.´
Sie erkannte in seinen Worten gleichzeitig eine ernste Aussage und einen Schwur. ´Eines Tages wirst du damit aufhören müssen, mich so zu nennen´, flüsterte sie bebend, legte ihr Gesicht einfach in seine Handfläche und sah unter ihren Wimpern zu ihm herauf. ´Oder ich glaube noch, dass du sie gar nicht ernst meinst.´
´Hermine...´
´Bitte Severus, küss mich einfach noch einmal. Lass uns im Moment nicht an diesen dämlichen Fluch denken. Ich bin es leid. Lass uns morgen das Ganze neu aufrollen.´
´Keine Märchen mehr.´
´Keine Märchen mehr´, stimmte sie zu und lächelte gegen seinen Mund als er sich zu ihr runterbeugte um sie sachte zu küssen. ´Auch wenn ich nichts gegen „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ hätte.´
Den Rest des Nachmittages verbrachten sie in angenehmer Unterhaltung und genießendem Schweigen. ´Ich hätte nie gedacht,´ stichelte Severus, als sie am Seeufer entlanggingen, ´dass du weißt, wie man still sein kann. Es ist fast schockierend.´
´Wer hätte gewusst, dass der gefürchtete Zaubertränkemeister ein Herz unter all diesem Schwarz verbirgt´, antwortete sie dagegen, ´Ich jedenfalls nicht.´
Später kehrten sie in die Kerker zurück, Hermine die ihre Schuhe in den Händen hielt, hinterließ feuchte Fußabdrücke auf dem Steinboden, während Severus sie in ein gemütliches Studierzimmer lotste, welches sie noch nie gesehen hatte. Ein einladendes Feuer brannte im Herzen des Raumes und die Wände waren mit überquellenden Bücherregalen voll gestellt. Ein großes Sofa war dem Feuer gegenüber aufgestellt und beide, Snape und Hermine, ließen sich darauf nieder. Sie freute sich, dass er sich mit ihr auf das Sofa gesetzt und nicht den Sessel vorgezogen hatte, der dort ebenfalls stand.
´Deine Füße müssen eiskalt sein´, murmelte er und legte einen Arm um sie. Hermine spürte, wie er seine Nase in ihrem Haar vergrub und sie lächelte.
´Denen geht es gut. Und es war schön so um den See zu laufen. Ich hab nie gemerkt, wie weit er sich von Hogwarts entfernt.´
´Das nächste Mal, sollten wir daran denken Körbe mitzunehmen, um die Wurzeln mitnehmen zu können, die am Ufer wachsen. Mir geht das Dianthuskraut aus.´
Hermine murmelte zustimmend und lehnte sich an Severus, sie drehte ihren Oberkörper so, dass sie mit beiden Armen seine Brust umfassen konnte. Sie konnte seinen Herzschlag hören und spürte, wie eine Welle der Zufriedenheit sie wie Balsam umgab. ´Ich hatte einen wundervollen Tag.´
´Aber morgen geht es zurück zur Suche ´, fügte Snape hinzu. ´Wir müssen jeden Aspekt unseres heutigen – Tests - beleuchten, um zu sehen ob wir Schlüsse daraus ziehen können.´
Sie seufzte. ´Ich nehme es an.´
´Hermine, als ich dich...geküsst... habe. Wie hat es sich angefühlt? Draussen, nicht hier in deinem Geist.´
´Es hat sich nicht besonders angefühlt, Severus. Ich wusste du machst es - Ich konnte den Druck deiner Lippen auf meinen spüren. Ich erinnere mich, dass ich dachte wie warm sie waren... und dann warst du hier bei mir und ich habe aufgehört die Situation zu analysieren.´
´Und du hast mich nicht irgendwie - reingezogen?´
´Nein. Wenn ich wüsste wie ich das anstellen könnte, würde ich dich nie wieder gehen lassen,´ stichelte sie. ´Ich hasse wenn du gehst.´
´Wie fühlt es sich an wenn ich dich besuche - bevor ich hier bin - gibt es eine Veränderung in deiner Wahrnehmung, wenn ich in deinen Geist eindringe? Einen Ruck oder ähnliches?´
Hermine biss sich auf die Lippe, ´Ich habe vorher noch nie daran gedacht. Normalerweise bin ich einfach nur glücklich dich zu sehen, ohne dass ich darauf achte wie es sich anfühlt. Alles was ich weiß ist, dass ich mich – leer fühle, wenn du nicht hier bist. Anders kann ich es nicht beschreiben - als ob ich irgendwie nicht komplett wäre. Wenn du bei mir bist, bin ich vollkommen ich.´
Severus bewegte sich daraufhin, verstärkte den Druck seiner Umarmung automatisch, bevor er sie wegdrückte und aufstand. Sie konnte nicht sagen, ob sie ihn aufgebracht hatte oder nicht, doch sie erkannte, dass er sich zum Gehen bereit machte.
´Bleib ´, murmelte sie.
´Ich kann nicht.´
´Du kannst.´
´Ich muss nachdenken, Hermine, solange die Erinnerungen noch frisch sind. Und nebenbei erwartet Albus mich heute zum Abendessen in der Großen Halle. Ich bin wahrscheinlich schon zu spät.´
´Versprich mir, dass du wieder kommst.´
´Ich komme wieder.´
Sie blieb noch lange Zeit auf dem Sofa sitzen und ließ ihre Gedanken schweifen, als ihr plötzlich auffiel, dass sie keine Ahnung hatte wo sie war. Sie war vorher noch nie in diesem Raum gewesen; um ehrlich zu sein, war sie noch nie in einem Raum wie diesem gewesen.
Die Farben waren für ihren Geschmack etwas zu dunkel, schokoladenbraun und dunkelgrün waren ihr zu maskulin. Die Dekoration im Raum war spärlich; da waren kein Schnickschnack oder Unnötiges, nur klare Linien und eine zwanglose Eleganz die sie an Severus erinnerte. Hinter dem Sofa, auf dem sie es sich bequem gemacht hatte, war ein bogenförmiger Durchgang und sie fragte sich was dahinter war. Es war mehrere Monate her, als sie auf Entdeckungsreise gegangen war - ihr letzter Ausflug hatte sie zu dem Raum mit den Bildern von Ron, ihrer Mutter und Professor Snape - in seiner schneidendsten und sarkastischsten Art und Weise - gebracht. Seither war sie nie wieder auf Entdeckungstour gewesen.
´Seltsam´, murmelte sie zu sich selbst, während sie ihre Beine unter sich hervorzog und aufstand, ´Ich frage mich wo der hinführt.´
´Es gibt nur einen Weg das herauszufinden, Hermine´, sagte ihre kleine Stimme,´Und der ist dort durchzugehen.´
´Ich möchte nicht noch einmal zu Bildern von toten Leuten sprechen´, antwortete sie. ´Das zieht einen zu sehr runter.´ Noch während sie das sagte, ging sie weiter und drückte behutsam die Tür.
Der Raum dahinter war dunkel, das einzige Licht lag in ihrem Rücken, Schatten tanzten an den Wänden in Nachahmung des Feuers im Kamin.
´Illumina!´, murmelte Hermine, während sie weiter in die Schatten hinein trat und keuchte, als die Wandleuchter aufflammten.
Sie war in einem Schlafzimmer. Ein großes Himmelbett stand in der Mitte des Raumes, eine schwarze Daunendecke bedeckte es. In der Ecke stand ein kleiner Sessel, auf dem schwarze Lehrerroben lagen. Ein kleiner Beistelltisch stand links neben dem Bett an der Wand, eine Lesebrille lag auf einem Buch über Zaubersprüche. Rechts daneben stand ein großer Mahagonischrank; die Türen standen offen, als ob jemand in seiner Hast gehen zu müssen vergessen hatte diese zu schließen. Drinnen hingen einige schwarze Gehröcke, ordentlich gefaltete schwarze Leinenhosen und die weißen Hemden, die Severus bevorzugte.
Sie war in seinen Räumen. Das hier war sein Schlafzimmer. Sie hatte mit ihm auf seinem Sofa, vor seinem Kamin gesessen. Sie drehte sich auf ihrem Absatz herum und lief schnell zurück ins Wohnzimmer und zu einem Regal, zog wahllos einen der Titel heraus und öffnete es. Dort auf der Innenseite, stand in seiner vertrauten spitzen Schrift sein Name: Severus Snape.
Sie sah sich verwirrt im Raum um und bemerkte einen Tisch in einem kleinen Alkoven, der ihr vorher nicht aufgefallen war. Darauf lagen einige Pergamente zerstreut und einige Federkiele lagen unordentlich in einer Ecke. Das Buch, welches sie aus dem Regal gezogen hatte noch immer haltend, ging sie auf den Tisch zu und bemerkte, dass es eine kleinere Version von dem war, der im Zaubertränkeklassenzimmer stand. Sie war überrascht, dass die Pergamente so zerstreut da lagen, wo Severus doch immer so ordentlich und anspruchsvoll auf sie gewirkt hatte, was seine Notizen im Klassenraum anging.
´Hermine´, las sie ihren Namen. ´Fluch des Lebenden Todes - Animula somnis... Latein, maskuline Wortwahl. Animula somnusi, lateinisch weiblich... Malfoy hat den Fluch für mich entwickelt? Kann ein Gegenfluch entwickelt werden?´
Vorsichtig die Pergamente durchsehend, bemerkte sie, dass sie mit Notizen gefüllt waren, die er während seiner Suche gemacht hatte, inklusive Textauszügen und Büchern, die er zu Rate gezogen hatte. Im unteren Teil des Stapels fiel ihr blick auf ein ordentlich gefaltetes Stück Pergament. Sie zog es vorsichtig heraus, betrachtete es und lächelte. Es war eine Tintenzeichnung von ihr, originalgetreu wiedergegeben bis hin zur letzten buschigen Locke. In die Ecke hatte Severus seine Initialen geschrieben und darunter geschrieben, ´Meine Eurydike.´
Hermine war zum Weinen zumute angesichts dieser einfachen Gewandtheit - dieses eine Bild von ihr, gezeichnet von Severus Händen - zeigte ihr, dass sie schön war und dass sie geliebt wurde. Sie legte es ehrfürchtig zurück auf den Tisch und ging langsam zum Sofa zurück, während Fragen in ihrem Kopf umhergeisterten.
Severus hatte ein Zimmer in ihrem Geist. Sie war sich sicher, dass es nicht nur irgendein Raum war - aber sein Raum, mit seinen Bücher und seinem Hab und Gut. Das ganze Konstrukt war zu kompliziert, als dass es was anderes sein könnte - das einzige war, sie war noch nie in seinen Räumen gewesen. Sie hatte keine Ahnung wie diese aussahen oder wie sie angeordnet waren, wie also kamen sie in ihren Geist, so präzise nachgestellt wie ihr eigenes Schlafzimmer?
Die dachte zurück und rief sich ihren heutigen Spaziergang zurück ins Gedächtnis, den Pfad war sie noch nie gegangen doch er offensichtlich schon. Andere Sachen fielen ihr ein - Dinge denen sie nie Beachtung geschenkt hatte, die jedoch jetzt, wo sie darüber nachdachte, merkwürdig waren. An dem Tag, an dem sie ihre Ideen auf der Tafel im Zaubertränkeklassenzimmer festgehalten hatten und Severus sie gebeten hatte ihr die kleine Flasche Feuerwhisky zu reichen, die er in der untersten Schublade seines Schreibtisches aufbewahrte. Sie hatte sie ihm gegeben, ohne nachzufragen, weshalb er wusste, dass sie da war, ohne dass sie es selbst wusste.
Da war diese Marmorstatue auf einem der Wege durch die Gärten, die sie vorher nicht gesehen hatte und von der Severus ihr versichert hatte, dass sie genau dort war. In der Bibliothek gab es ein verstecktes Bücherregal welches er ihr gezeigt hatte - beiläufig hatte er die Schutzzauber fallen lassen, bis sie es sehen konnte. Als sie ihre Überraschung dazu zum Ausdruck gebracht hatte, hatte er gegrinst, ´Dein Ruf als Alleswisserin hat heute einen gewaltigen Knacks bekommen. Madam Pince schwor immer darauf, Dinge offensichtlich zu verstecken. Manche von diesen Büchern sind so selten, dass Hogwarts die einzig bekannte Kopie davon besitzt. Vielleicht wird etwas was da drin steht, etwas Licht in deine Situation bringen.´
Vielleicht geschahen solche Dinge schon von Anfang an. Sie rief sich den ersten Tag in Erinnerung als er sie gefunden hatte - kleine, rote Blumen hatten um sie herum geblüht, bedeckten den Boden des Zaubertränkeraumes, wuchsen durch die Risse in den Steinen. Sie hatte immer angenommen, dass sie von ihren Gefühlen so überwältigt gewesen war, dass sie einfach vergessen hatte, dass sie das getan hatte - jetzt erkannte sie, dass das nicht zwangsläufig der Fall war - Severus könnte sie zum blühen gebracht haben. Sie bezweifelte, dass er bemerkt hatte, dass er das konnte, doch es schien, als könne er Dinge in ihrem Geist genauso einfach erschaffen wie sie und dieser ausgearbeitete, private Raum war ein Beweis dafür.
Sie konnte es kaum erwarten, dass er nach dem Abendessen zu ihr zurückkam, damit sie ihm berichten konnte, was sie in seiner Abwesenheit entdeckt hatte. Sie wusste, dass selbst der talentierteste Legilimentiker nicht einfach in einen Geist eindringen konnte und falsche Erinnerungen kreieren oder falsche Dinge nachbilden konnte, also warum konnte Snape es bei ihr? Und warum blieben diese Konstrukte bestehen, selbst wenn er weg war? Alle Logik sagte, dass das nicht funktionierte und trotzdem war es so. Hermine war sich sicher, dass das alles irgendwie mit dem Fluch zusammenhing und sie war zu Recht aufgeregt über diese Entdeckung. Das war ein weiterer Anhaltspunkt, da war sie sich sicher.
Sie sprang wieder von der Couch auf, sie wollte Severus sehen, wenn er zu ihr zurück kam und dazu musste sie aus ihrem Geist auftauchen. Außerdem war sie so aufgeregt, dass sie nicht still sitzen konnte - etwas zu laufen würde ihr gut tun.
Sie war schon fast da, als sie die Tür ihres Zimmers laut aufschlagen hörte. Als sie aus ihren Augen sah, realisierte sie, dass Nettie sie von ihrem Schlafzimmer ins Wohnzimmer gebracht haben musste, ohne dass sie es gemerkt hatte. Sie war so auf ihr Abenteuer konzentriert gewesen, dass sie nicht bemerkt hatte was um sie herum geschah. Sie hoffte, dass Nettie ihr in dieser Zeit nichts vorgelesen hatte, denn sie hatte keine Möglichkeiten die Frau zu bitten, noch einmal von vorne zu beginnen.
Sie fragte sich, weshalb Severus ihre Tür so laut geöffnet hatte, bis sie ihn sah. Sein Gesicht war weiß, seine normale Blässe wurde von zwei roten Flecken auf seinen Wangen ergänzt und seine schwarzen Augen glänzten. Seine Hand umfasste eng den Arm von jemandem, dessen Knöchel sich weiß von dem hauchdünnen, lilanen Material abhoben, das darum gewickelt war.
Hermine brauchte ein paar Sekunden, um zu wissen, wem dieser lila bekleidete Arm und die Überfülle an klickenden Perlen gehörte und sie stöhnte fast als sie es tat. Was zur Hölle hatte Professor Trelawney hier zu suchen?
Sie war die letzte die Hermine hier unten in den Kerkern erwartet hatte, besonders nicht von Severus hierher geschleift, Perlen klickend und dem Haar hinter ihr herfliegend, dass es eine ziemlich gute Nachbildung von Hermines eigenen buschigen Locken ergab. Einige andere Professoren hasteten Trelawney und Snape hinterher, ihre Augen voller Neugier und die Münder überrascht geöffnet, als die Wahrsagelehrerin in Hermines Räume geschoben wurde.
Die übliche luftige Stimme der Frau war verschwunden und war stattdessen panisch und hoch vor lauter Angst, als sie sich bei Severus... für etwas... entschuldigte. Hermine wusste nicht wirklich was hier vor sich ging.
„Severus, Professor Snape - bitte, mein Arm... Hätte ich gewusst, dass Sie so unwillig auf das reagieren was ich sagte, ich hätte es nie gesagt! Bitte, vergeben Sie mir...“
„Halten Sie den Mund, Sybil“, schnappte Snape, „Ich plane nicht Sie umzubringen!“ Hermine konnte sagen, dass er sich selbst davon abhalten musste ein ´noch´ hinzuzufügen und sah interessiert zu, wie er Professor Trelawney weiter vor schob. „Welche Farben sehen Sie, wenn Sie Hermine ansehen?“
Sein Ton hatte eine gespannte Erwartung, was Hermine verwirrte, so dass sie näher an den Rand ihres Geistes ging, um beurteilen zu können, was vor sich ging. Trelawney sah genauso irritiert aus, wie Hermine sich fühlte, obwohl bei ihr noch ein ordentlicher Schwung Angst in den Augen zu erkennen war.
„Farben?“, ihre Stimme wankte leicht und sie zwinkerte langsam, ihre Glasbodendicken Brillengläser ließen ihre Augen extrem groß und kuhmäßig erscheinen.
„Ja, Farben“, wiederholte Snape ungeduldig. „Ihre Aura, Weib. Was sehen Sie?“
„Ähm... oh ja, ihre Aura.“ Hermine beobachtete amüsiert, wie die Wahrsagelehrerin ihre Schals zurechtrückte und ihrem Gesicht den mysteriösen Anschein verleihen wollte, genauso wie sie es immer in den Unterrichtsstunden versucht hatte - und daran gescheitert war. Ihre Stimme kehrte zurück zu der träumerischen Tonlage, die sie immer hatte, wenn sie Vorhersagen machte, während sie sich umdrehte und Hermine anstarrte, als wäre sie völlig konzentriert und begann zu murmeln, „Du meine Güte. Oh, du meine Güte... sehr ungewöhnlich.“ Hermine sehnte sich nach der Möglichkeit mit ihren Augen rollen zu können - sie war sich sicher, dass es die alte Heuchlerin bis ins Mark erschrecken könnte.
Trelawney drehte sich schließlich wieder zu Severus um, „Ich befürchte ihre Aura ist grau und ich nehme an, dass wussten sie schon, wenn ich an die Frage denke, die sie mir in der Großen Halle gestellt haben.“
Snape nickte steif, „Das sind keine weiteren Farben - nur grau?“
„Nur grau“, stimmte Trelawney zu, „Es tut mir leid, doch es sieht so aus, als wäre Miss Granger nicht da. Ihre Seele wurde von ihrem Körper getrennt.“
„Ich wusste es“, murmelte Hooch laut, „Sie ist nicht da drin.“
Snape drehte sich nicht einmal zu Hooch um, um sie böse anzustarren, aber er knurrte sie an, „Sie ist da, ich habe selbst mit ihr gesprochen, Sie nervtötendes Frauenzimmer.“ Seine Augen starrten auf Hermine, schwarz und intensiv, ehe er einen schnellen blick auf Trelawney warf. „Ist meine Aura immer noch – so - wie Sie es beim Abendessen gesagt haben?“
Trelawney drehte sich zu ihm und nickte, „Ihre Farben pulsieren um Sie herum, Severus. Ich habe noch nie eine klarere Aura gesehen.“
Hermine sah zu, wie Severus seine Finger verschränkte und sie zu seinen Lippen führte, seine Haltung war still und gedankenvoll. Im Hintergrund konnte sie die anderen Professoren untereinander tuscheln hören, auch wenn sie sie nicht sehen konnte solange sie nicht in ihrer direkten Sicht standen. Nicht, dass es ihr etwas ausmachte - es interessiert sie mehr Snape zu beobachten. Sie konnte seinen Verstand quasi arbeiten hören; konnte seine Aufregung wie ausstrahlende Hitze spüren, als sein Blick von Trelawney zu ihr wanderte.
„Sybil... Sagen Sie mir, ob sich meine Aura in den nächsten Minuten verändert“, bat er, trat zu Hermine und sah ihr in die Augen. Dieses Mal spürte sie den Zug den er erwähnt hatte - der plötzliche Ruck von ihrem Körper zu seinem, als er in ihre Augen fiel.
´Severus was geht hier vor?´, fragte sie ihn in der Minute, als er bei ihr erschien. ´Wieso ist Trelawney hier?´
Er ergriff fest ihre Schultern, `Ich erkläre es in einer Minute, Hermine... Bleib einfach so.´
Selbst als er zu ihr in ihrem Geist sprach, konnte sie hören, wie er mit Trelawney sprach, „Ich bin jetzt bei Hermine, Sybil. Was sehen Sie?“
„Ihre Aura... Ihre Aura verändert sich, Severus!“ Trelawney nutzte nicht länger die luftige Tonlage, die sie bevorzugte wenn sie ihre Lesungen machte, stattdessen hörte man eine vage Ungläubigkeit. „Sie winden sich selbst um Miss Granger, nun ja... die Farben...das Grau.“
´Was geht hier vor?´, murmelte Hermine erneut, doch Severus antwortete nicht. Anstatt dessen, richtete er das Wort wieder an Trelawney, „Sagen Sie mir genau was Sie sehen, Sybil.“
„Es ist als ob sich ihre Aura mit ihrer verbindet... sie teilen sich... Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll! Sie ist jetzt in ihrer Aura und Sie sind in ihrer...Das Grau überlappt sie beide, es macht ihre Farben dumpf - doch sie sind immer noch da, nur... weniger intensiv.“ Trelawneys Stimme brach verwirrt ab, „Wie kann das passieren?“
Snape lächelte Hermine grimmig an und sie konnte dasselbe Lächeln außerhalb ihres Geistes auf seinen Lippen sehen. „Weil Lucius Malfoy schon immer ein Bastard gewesen ist“, antwortete er den beiden auf einmal. „Sein Fluch war silbrig-grau.“
Seine Erklärung wurde mit geschocktem Schweigen beantwortet, in Hermines Kopf und in ihren Räumen war es Professor Trelawney die als erstes sprach, „Ein grauer Fluch? Aber- Flüche sind nie grau. Sie haben immer eine Farbe - wie grün, oder blau... selbst rot.“
´Grau´, murmelte Hermine, ´Ich bin grau.´
„Sybil, wie können wir wieder Farbe in Hermines Aura bringen? Und wenn wir das tun, würde die Farbe ihre Seele befreien? Würde es den Fluch brechen?“ Hermine konnte die Intensität seiner Frage durch die Luft brennen hören, selbst als er nur für sie in ihr Ohr murmelte, „Ich kann es nicht glauben, dass ich ausgerechnet Sybil Trelawney um einen Rat beim Fluchbrechen bitte.“
„Ich noch nie davon gehört“, antwortete Trelawney unsicher, „Eine graue Aura. Ich nehme an, dass es einen Weg gibt, um die Farbe wieder einzubringen, doch es müssten alle Farben in unglaublichen Mengen eingebracht werden, um wieder eine Balance in ihrer Aura herzustellen, ehe sie zu ihren üblichen Farben zurückkehren kann. Wenn ich mich richtig erinnere, war Miss Grangers Aura hauptsächlich orange-gelb, für ihre Intelligenz und Loyalität, mit starken violetten Flecken für ihre Magie und schmuddeliges Grün für Skepsis. Sie war nicht offen für die wundervollen Kräfte der Wahrsagerei.“
Hermine schnaubte.
„Das könnte der Durchbruch sein auf den wir gewartet haben“, lächelte Snape als er ihre Hand drückte und dann Trelawney fragte, „Wie bringen wir ihre Aura zurück in Balance?“
Professor Trelawney sah ihn fassungslos an und wedelte vage mit ihren Händen, „Es tut mir leid, Severus - wirklich das tut es. Aber ich weiß es nicht.“
Als Trelawney, gefolgt von den anderen Professoren endlich ging, war Hermine völlig erschöpft. Snape hatte über eine Stunde ein Gespräch mit ihr und der Wahrsageprofessorin aufrechterhalten, stellte eine Frage nach der anderen. Hermine hatte sich stark bemühen müssen um mitzukommen und der Fakt, dass er zwei Gespräche auf einmal führen konnte, verwirrte sie doch ein wenig. Nachdem ihm nichts mehr einfiel das er die Wahrsageprofessorin fragen konnte, dankt er ihr für die Zeit die sie sich genommen hatte und entschuldigte sich dafür, sie in die Kerker gezerrt zu haben.
Trelawney hatte nur sorglos gelächelt, „Ich wusste, dass wir hierher kommen, Severus. Erinnern Sie sich, ich habe das zweite Gesicht.“ Dann stand sie auf und ging erfreut. Einer nach dem anderen verließ nach ihr das Zimmer - manche schauten gedankenversunkener als andere, aber alle wünschten Severus einen schönen Abend. Die einzige, die das auch ihr wünschte, war Professor McGonagall die als letzte den Raum verließ.
„Severus“, fragte sie vorsichtig, „Glaubst du wirklich diese Idee ist die richtige Spur? Ich hasse es zu sehen, wenn du enttäuscht wirst.“
Severus hatte ihr bloß zugenickt, „Es macht Sinn, Minerva. Du hast gehört, was Trelawney über unsere Auren gesagt hat und wie sie sich überlappen.“
„Nun, ja, aber - es ist Sybil die das gesagt hast, erinnerst du dich? Seit wann gibst du etwas auf das was sie sagt?“
„Es ist das Einzige was im Moment einen Sinn macht, Minerva. Das Einzige.“
Professor McGonagall hatte daraufhin geseufzt, ehe sie eine Hand ausstreckte und freundlich Severus Schulter drückte. „Ich schätze sehr, was du hier versuchst, Severus, doch lass nicht all deine Hoffnung darin. Es ist jetzt fast zwei Jahre her, dass wir Hermine verloren haben. Niemand würde dir einen Vorwurf machen, wenn du es aufgeben würdest eine Heilung zu finden.“
„Sie ist nicht verloren, sie ist genau hier“, antwortete Snape steif. „Ich bilde sie mir nicht ein.“
Minerva hatte sich umgedreht und Hermine angesehen, ihr Gesicht schien um Jahre gealtert zu sein, gezeichnet mit Sorge und Anteilnahme, „Natürlich ist sie das, Severus. Natürlich. Ich wünsche dir eine gute Nacht. Und eine Gute auch dir, Hermine.“
´Ich wünschte sie würde dir glauben´, sagte Hermine weich, während sie beobachtete, wie sich Minervas Rücken entfernte. ´Ich weiß, ich tue es.´
Snape grinste sie an und zog sie sanft in seine Arme, ´Ich denke wir sind hier auf etwas gestoßen, Hermine. Wie sehr ich es auch hasse von dieser Säuferin Trelawney abhängig zu sein, ich denke ihr Input heute Abend ist unschätzbar. Ich bin mir sicher, dass die Farbe des Zaubers ein Teil des Fluches ist - wir müssen nur noch herausfinden wie wir ihn umkehren können.´
´Zu dumm, dass Malfoy nicht mehr am Leben ist, so dass du mit ihm darüber reden könntest´, stimmte Hermine ihm zu, ´Oder das er irgendwelche Notizen hinterlassen hat.´
´Keine Notizen´, antwortete Snape. ´ich habe es schon überprüft - alles was er besaß wurde von einigen Auroren oder Plünderern zerstört, die Malfoy Mansion durchwühlt und bis auf die Grundmauern niedergebrannt haben, nachdem bekannt wurde, dass Lucius und seine Familie Todesser gewesen waren.´
Für einen Moment schwiegen sie, ehe Severus in ihr Haar hinein anfügte, ´Aber vielleicht weiß Draco etwas. Lucius ist der Typ der gern herumposaunt, besonders seinem Sohn gegenüber - dieser kleine Speichellecker.´
´Draco lebt noch?´ Hermine war erstaunt. ´Ich dachte er starb mit dem Rest von ihnen.´
Snape schüttelte seinen Kopf, ´Nein - er hatte bis dahin noch nicht das Dunkle Mal genommen. Er lebt noch - und sitzt in Einzelhaft in Azkaban, wo er für den Rest seines Lebens bleiben wird.´
´Kannst du zu ihm gehen?´
´Nicht, ohne ein paar ordentliche Strippen mit Albus Hilfe zu ziehen. Ich hatte gehofft, ich würde das auflösen können, ohne um Hilfe zu bitten, doch es scheint als hätten wir keine andere Wahl. Ich spreche morgen früh mit Albus, ob sich ein Besuch arrangieren lässt.´
Hermine war drüber so überrascht, dass es ihren ganzen Verstand einnahm, bis Severus sie für die Nacht verließ, sie hatte vergessen, dass sie selbst Neuigkeiten hatte; er konnte genauso leicht wie sie Dinge in ihrem Kopf kreieren.
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