
von Hoppenstedt
Dumbledore schlenderte - in Pflaumenblau gehüllt - an diesem Morgen reichlich vergnügt durch die gut gefüllten Gänge von Hogwarts. Dutzende Schüler kamen ihm grüßend entgegen und schienen sich von seiner guten Laune anstecken zu lassen.
Gerade hatte der weise Magier Nachricht von Amber erhalten, dass Severus und sie kurz davor standen, das Versteck Voldemorts zu entdecken. Wenn das kein Grund war, fröhlich zu sein!
Der Schulleiter war rundum zufrieden mit seinen beiden Spionen. Sie gingen umsichtig vor und verbargen sich gekonnt im Hintergrund. Gleichzeitig lieferten sie hochinteressante und gewichtige Informationen. Außerdem schienen sie das perfekte Team zu sein, indem sie sich gegenseitig ein bisschen im Zaum hielten.
Gerade für den Tränkemeister und dessen impulsive Art konnte das nur von Vorteil sein. Aber auch Amber schlug manchmal über die Strenge und konnte etwas Einschränkung gebrauchen. Mit diesen wohlgemeinten Gedanken wandte sich der alte Zauberer galant um die nächste Ecke, wo er für einen Moment stutzte.
Auf dem Flur saß Mrs. Norris. Oder besser: Sie rollte auf dem Boden herum und bot ihre Vorzüge dar. Ihr gegenüber saß ein schwarzer Kater mit blitzenden Augen, der reichlich in die Enge gedrängt schien. Ganz offensichtlich hielt er nichts von den Avancen der Katze Filchs.
Amüsiert schritt der alte Mann auf das "Paar" zu, um das sich bereits eine Gruppe Schüler gescharrt hatte, und musste bei dem munteren Treiben einen Augenblick lang verweilen und lächeln. Dann jedoch sah er ein, dass er seinen Vertrauten nicht länger in dieser für ihn unmöglichen Situation belassen konnte. Entschlossen trat er deshalb zwischen Kater und rollige Katze und nahm das schwarze Tier auf die Arme.
Der Kater funkelte böse mit den Augen, wehrte sich aber weder, noch kratzte er. Dumbledore strich dem Tier ein paar Mal über das seidig-schwarze Fell. Aber es gab keinen wohlig schnurrenden Laut von sich.
"Spiel mit!" flüsterte der Schulleiter kaum hörbar. Außer vielleicht für Katzen.
Und tatsächlich: Der Kater fing an zu schnurren, schaute aber nun noch grimmiger. Mit flotten Schritten verließ der Zauberer grinsend die Schüler und ging dann schnell in die dunklen Kerker. Genau der richtige Ort für ein solch düsteres Tier. Kaum in den unteren Geschossen des Schlosses angekommen, wurde der Kater auch schon unruhig und wandte sich geschickt aus den Armen seines Retters. Die restlichen Meter wollte er ganz offensichtlich nicht auf den Armen eines alten Mannes zurücklegen. Möglicherweise könnte genau das nämlich eine Hexe zu sehen bekommen, vor der sich die Mieze keine Blöße geben wollte.
Mit einem Schlenker des Zauberstabs öffnete Albus Dumbledore geräuschlos eine unsichtbare, in die Wände eingelassene schwere Holztür. Kaum hatte er auch nur einen Fuß in die Räumlichkeiten gesetzt, als der Kater an ihm in Richtung Sofa vorbeihuschte, um es sich nur Sekunden später auf dem Schoß Ambers gemütlich zu machen. Die Hexe brauchte ihn kaum zu berühren, als er auch schon anfing laut zu schnurren und dabei entfernt an den Geräuschpegel eines keifenden Drachen herankam.
"Was hat er ausgefressen?" brauchte Amber dann auch nur den Schulleiter zu fragen.
"Er hat eine neue Frau an seiner Seite." antwortete der Angesprochene, während die Hexe ihrem Katerchen einen Klaps auf den Kopf gab. "Sie ist ähnlich haarig wie er und scheint ernsthafte Absichten zu hegen. Sie heißt Mrs. Norris. Vielleicht kennst du sie?!?"
Mit diesen Worten drehte sich der alte Zauberer mit wehendem Umhang um und verließ den Raum, Amber und Severus allein zurücklassend.
"So. So. Kaum darfst du ein bisschen rumstreunen, gibst du dich mit einer anderen ab!" fauchte Amber gespielt böse.
Severus hingegen hatte beschlossen, die ganze Situation auszusitzen. Er würde sich nicht in einen Zauberer zurückverwandeln, um sich dann den ganzen Tag für Mrs. Norris´ Annäherungsversuche rechtfertigen und gleichzeitig noch Ambers hämische Kommentare anhören zu müssen. Ohne ein Mauzen von sich zu geben kringelte er sich deshalb zusammen und täuschte Schlaf vor. Auf die spöttischen Bemerkungen seiner Freundin reagierte er lediglich mit einem kurzen Krallen in das Kleid derselben, sodass sie es schließlich aufgab und belustigt schwieg.
***
"Möchte mein kleines, niedliches, süßes, knuffliges, sich nicht gegen meine Kosenamen wehren könnendes Katerchen so bleiben oder sich endlich in Severus Snape zurückverwandeln, damit wir apparieren können?" fragte Amber zuckersüß, als sie mit der dunklen Katze am späten Abend an der Grenze des Schlosses Hogwarts angekommen war.
Reichlich genervt rollte der Kater - die Hexe musste laut loslachen bei dieser für Katzen völlig untypischen Reaktion - mit den in der Dunkelheit noch schwärzeren Augen. Nur einen Augenblick später stand der Tränkemeister vor ihr, ergriff lautlos ihren Arm und beide verschwanden im Nichts.
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