
von Lilly10
Marianne klopfte an die Tür am Grimmauld Platz und musste nicht lange warten, bis sie Sirius rufen hörte. Ein paar Sekunden später öffnete er die Türe und als er Marianne sah, fiel er ihr sofort um den Hals.
„Hey, was machst du hier? … Haben wir da etwa eine kleine Ausreißerin?“
Marianne grinste auf seine Bemerkung und erwiderte:
„Naja, kann man so sagen. Ich werde eine Zeit lang nicht in Hogwarts sein.“
Sirius zog die Augenbrauen zusammen und sagte:
„Warum das?“
„Das ist eine lange Geschichte … Aber ich komme, um mich zu verabschieden.“
„Komm erst mal rein und mach’s dir gemütlich.“
Marianne ging in die Küche und sah Remus lesend auf dem Sofa. Er sah auf und sagte:
„Freut mich, dich zu sehen, Marianne. Was ist der Anlass?“
„Sie will sich von uns verabschieden.“, antwortete Sirius für Marianne.
Marianne begrüßte ihn und setzte sich dann neben ihn.
„Wo willst du hin, musst du nicht zur Schule?“, fragte Remus.
„Nein, Dumbledore schickt mich für eine Zeit lang weg... Vor zwei Tagen ist etwas Eigenartiges passiert...“, begann sie.
Beide sahen sie erwartungsvoll an, Remus schien eher beunruhigt, aber Sirius sah sie gespannt an.
„Gut, ich erzähle euch die Kurzversion. Vor ein paar Tagen, als Dumbledore von Voldemort sprach, hatte ich eine Vision von einem Mord.“
„Was?“, sagten Sirius und Remus gleichzeitig.
„Ich habe den Lehrern davon erzählt... am nächsten Tag ist es wirklich geschehen.", fuhr sie fort. "Ihr habt es wahrscheinlich in der Zeitung gelesen.“
„Der Zauberer, der zerstückelt wurde?“, fragte Remus.
„Ja.“
Sirius und Remus sahen sie verblüfft an.
„Ich hatte ja keine Ahnung, dass du in die Zukunft sehen kannst!“, sagte Sirius begeistert.
„Naja, ich hab es auch nicht gewusst.“, sagte Marianne. „Aber das habe ich auch nicht wirklich. Es war mehr so, dass sich Voldemorts Gedanken auf mich übertrugen und …“
„Du kannst Okklumentik?“, unterbrach Remus sie.
„Nein, eigentlich nicht, ich hab es nie gelernt. Aber trotzdem habe ich seine Gedanken sehen können. Das Problem ist, dass Voldemort vielleicht auch in meine Gedanken eindringen kann. Deshalb werde ich für einige Wochen Hogwarts verlassen und an einem Ort versteckt, wo er meine Gedanken nicht erreichen kann. Und dort lerne ich dann Okklumentik und nebenbei werde ich weiter unterrichtet.“
„Von Dumbledore?“, fragte Remus.
„Nein, das ist der Haken daran... von Snape.“
„Was?“, rief Sirius und sprang auf. „Schniefelus soll dich unterrichten?!“
„Ja, er ist Meister in diesen Fächern.“, erklärte Marianne.
„Das ist egal, ich gehe sofort zu Dumbledore. Diesen schmierigen alten Grantler kann er nicht ungehindert auf dich loslassen.“
Marianne erwiderte nichts. Sie war selbst nicht sehr erfreut, dass Snape für mehrere Wochen ihre einzige Bezugsperson sein würde, doch die Sache, um die es ging, war einfach zu wichtig, um sich darüber zu beschweren. Remus schien dies auch so zu sehen und sagte:
„Sirius! Er ist der Einzige, der Marianne beibringen kann, ihre Gedanken abzuschirmen. Dumbledore hat keine andere Möglichkeit, als Snape damit zu beauftragen. Wer glaubst du denn sollte die Schule leiten, wenn Dumbledore nicht da wäre?“
Sirius brauste auf:
„Du weißt genau, dass Snape andauernd auf ihr herum hackt. Er macht ihr das Leben schwer, weil er weiß, dass sie mit uns befreundet ist. Was, glaubst du, bietet ihm eine bessere Möglichkeit Marianne zu schikanieren, als das? Er wird mehrere Wochen ihr Privatlehrer sein und ihr das Leben zur Hölle machen …“
Remus unterbrach ihn und sagte:
„Sirius, mal nicht den Teufel an die Wand. Snape weiß genauso, wie wichtig diese Sache ist und er wird mit ihr lernen, das ist alles.“
„Ha! Mit ihr lernen! Der lässt sicher keine Chance ungenutzt, um ihr Punkte abzuziehen oder irgendwelche Gemeinheiten anzustellen.“
Marianne wollte nicht, dass sich Sirius so aufregte und sagte:
„Mach dir keine Sorgen, Sirius, ich komme schon klar. Ich verspreche dir, dass ich mich nicht unterkriegen lasse.“
„Wenn er es wagt das auszunützen, dann …“, sagte Sirius angriffslustig.
„Das wird er nicht. Er weiß, dass Dumbledore das nicht gutheißen würde.“, sagte Remus und wandte sich an Marianne:
„Wo ist dieser Ort, an dem sie dich verstecken?“
„Ich weiß es nicht, ich glaube, es ist ziemlich weit weg. Nur Dumbledore und Snape wissen davon. Ich werde auf jeden Fall mehrere Wochen dort verbringen müssen, ohne mit jemand Kontakt aufnehmen zu können.“
„Hat Dumbledore auch dafür gesorgt, dass du dort in Sicherheit bist, wenn Schniefelus weg ist?“, schaltete sich auch Sirius wieder ein, nachdem er seinen Ärger überwunden hatte.
„Ich glaube, dass Snape die meiste Zeit da sein wird, Dumbledore hat gesagt, dass er das Haus so wenig wie möglich verlassen soll.“
„Großartig. Du lebst also mehrere Wochen mit Schniefelus alleine in einem Haus.“, stellte Sirius fest und verzog sein Gesicht, als wäre es das Ekligste, was er sich vorstellen konnte.
Marianne musste lachen und auch Remus schmunzelte.
„Aber sie lernt dabei Okklumentik, das ist eine seltene Fähigkeit. Ich bin stolz auf dich, Marianne.“, sagte Remus.
„Also wenn du mich fragst, in meine Nähe lass ich dich nach deinem Lerncamp nicht mehr…“, sagte Sirius und Marianne schmunzelte.
„Ich kann dich dann immer vorwarnen, wenn Sirius mal wieder was ausheckt.“, sagte Marianne zu Remus. Dieser lachte und sagte:
„Super, dann kann ich endlich mal in Ruhe lesen.“
„Hey, du liest den ganzen Tag und die Nacht. Was soll man denn mit so einem Mitbewohner anfangen, außer ihm Streiche zu spielen!?“, rief Sirius empört.
„Nun, du könntest dich nützlich machen, etwas zum Essen kochen oder …“
„Natürlich, so weit kommt es noch.“, unterbrach ihn Sirius.
Marianne grinste und sagte:
„Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich Snape bei etwas zustimme.“
„Womit?“, frage Sirius.
„Ihr seid wie ein altes Ehepaar.“
Nun musste auch Sirius lachen, doch er wurde von einem lauten Klopfen unterbrochen.
„Das ist bestimmt Snape, er holt mich ab.“, sagte Marianne und stand auf.
„Schniefelus wird mein Haus nicht betreten!“, brauste Sirius wieder auf.
„Keine Sorge, ich muss gleich gehen.“
„Ich geh mit dir raus, Marianne. Sirius, du bleibst hier, ich will nicht, dass ihr euch wieder mit in die Haare geratet.“, sagte Remus.
„Bei seinen fettigen Haaren würde ich sowieso eher abrutschen als hinein geraten.“, erwiderte Sirius trocken.
Marianne umarmte Sirius lachend und sagte:
„Bis bald.“
„Wenn er dich schlecht behandelt, schickst du mir sofort einen Brief. Ich lasse nicht zu, dass er dir ein Haar krümmt!“
„Ist gut.“, erwiderte Marianne lächelnd.
„Bis bald!“, sagte Sirius.
Marianne ging mit Remus in das Vorzimmer.
„Du darfst keine Briefe schicken, nicht wahr?“, sagte er leise und Marianne schüttelte den Kopf.
„Na ich bin sicher, es wird nicht so schlimm.“, munterte er sie auf.
Erneut klopfte es ungeduldig und Marianne sagte:
„Es wird Zeit.“
Remus beugte sich zu ihr und umarmte sie ebenfalls.
„Machs gut. Snape ist ein guter Lehrer, er weiß schon, was er tut. Tu was er sagt, okay?“
„Natürlich.“, nickte Marianne.
„Bis bald, Marianne.“
„Bis bald.“, sagte Marianne und lächelte zum Abschied.
Remus öffnete die Türe und Snape stand genervt davor.
„Sie glauben wohl, ich habe den ganzen Tag Zeit, Miss Richis! Gehen wir.“, sagte er, ohne Remus eines Blickes zu würdigen.
Marianne folgte ihm und als sie genug Abstand zum Haus hatten, um zu apparieren, blieb Snape stehen.
„Halten Sie sich gut an mir fest. Es wird ein längerer Flug als Sie glauben.“
Marianne wusste, dass es sein musste und Snape es wohl auch nicht zum Vergnügen machte, deshalb stellte sie sich ihm gegenüber und umfasste mit ihren Händen seine Arme. Auch er packte sie fest und sagte:
„Schließen Sie die Augen, bis ich Ihnen weitere Anweisungen gebe.“
Marianne tat, wozu er sie aufgefordert hatte. Plötzlich fühlte sie, wie der Boden unter ihren Füßen davon glitt und sich eine Art Wirbelsturm um sie bildete. Es zog fest an ihrem Körper und sie musste sich anstrengen, um nicht aus Snapes Armen gerissen zu werden. Auch er hielt sie fest gepackt und so wirbelten sie umher. Marianne hoffte, dass sie bald dort waren, doch dann kam das Ende so abrupt, dass sie beinahe gestürzt wäre, als sie am Boden aufkam. Snape ließ sie los, warf eine Strähne aus seinem Gesicht und sagte:
„Ich zeige Ihnen jetzt, wo Sie schlafen werden, Miss Richis. Danach fangen wir sofort mit dem Unterricht an.“
„Ja, Professor.“, erwiderte Marianne und sah sich um.
Um sie herum war eine dünne Nebelschicht und so weit sie sehen konnte, bestand ihre Umgebung aus felsigem Gebirge. Es war kalt hier und sehr leise, doch Marianne glaubte, den Duft eines Tannenwaldes riechen zu können. Bevor sie dem jedoch nachgehen konnte, rief Snape nach ihr und sie beeilte sich, da ihr der genervte Klang seiner Stimme nicht entgangen war. Sie hätte sich gerne noch etwas umgeschaut, denn sie wusste, dass sie diese Hütte, die ausschließlich aus dickem Holz zu bestehen schien, für lange Zeit nicht verlassen würde.
Als sie das Haus betrat, sah sie sofort, dass es mit Zauberei erbaut worden war. Von außen sah es aus wie eine kleine Jagdhütte, doch innen fand sie einen großen, gemütlich eingerichteten Raum mit einem Kachelofen vor. Außerdem führte eine Treppe nach oben, die Snape auch sofort betrat. Marianne folgte ihm.
Oben führten zwei Gänge in verschiedene Richtungen und Snape deutete nach rechts:
„Am Ende dieses Ganges liegt das Zimmer, das für die nächsten Wochen Ihnen gehören wird. Auf der anderen Seite liegt mein Zimmer und lassen Sie sich ja nicht einfallen, es unerlaubt zu betreten, verstanden?“
„Ja, Professor.“, erwiderte Marianne und entschied sich, seine unfreundliche Bemerkung unerwidert zu lassen. Warum sollte sie auch den Wunsch verspüren, in seine privaten Räume zu gehen...??
Sie ging den Gang entlang und öffnete ihre Türe. Auch dieses Zimmer war groß, es befanden sich ein Bett und ein Schreibtisch darin, auf dem bereits ihre Schulsachen lagen. Außerdem war da noch ein Kasten mit ihren Kleidern und sie freute sich, für ein paar Wochen einmal nicht ihre Schulgarderobe tragen zu müssen – Snape würde das doch wohl nicht verlangen, dachte Marianne. Nein, das konnte sich nicht vorstellen.
„Miss Richis, Sind Sie endlich fertig?“, hörte sie Snape rufen und sie schnappte schnell ihr Schulzeug und lief hinaus.
Mit einem kurzen Blick auf sie sagte er spitz:
„Wo ist Ihre Schuluniform!“
Marianne starrte ihn an. Hatte er wirklich vor, sie zu zwingen, die ganzen Wochen in Schuluniform herumzulaufen?
„Ganz recht, das habe ich sehr wohl, Miss Richis.“
Marianne erschrak. Snape las ihre Gedanken, ohne dass sie es bemerkt hatte, geschweige denn verhindern hätte können. Als Snape ihren überraschten Blick bemerkte, sagte er beiläufig:
„Nun, Sie haben eben der Kunst der Legilimentik beigewohnt, Miss Richis.“
Marianne brachte kein Wort heraus.
„Worauf warten Sie noch? Ziehen Sie sich um und gehen Sie dann sofort hinunter.“
Wütend drehte sich Marianne um und ging zurück in ihr Zimmer. Dieses Schwein machte mit ihr, was er wollte und sie konnte nichts dagegen tun. Wenn dies so weiter lief, wie es angefangen hatte, würden diese Wochen hier ein wahrer Alptraum werden.
Während sie sich umzog, verwarf sie, dass sie sich vorgenommen hatte, sich zu benehmen und eine brave Schülerin zu sein. Sie würde sich nicht gefallen lassen, dass Snape so mit ihr umsprang, sagte sie sich und verließ den Raum; bereit, sich mit ihm anzulegen, wenn er es herausforderte. Wenn Snape ihr nicht gönnte, diese Wochen zu einer netten Abwechslung zu machen, dann würde sie ihm auch nicht die Genugtuung geben, alles einzustecken und sich ohne Widerrede schlecht behandeln zu lassen.
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