
von Lilly10
Marianne trat in Lupins vertrautes Büro ein und er nahm sie sofort herzlich in Empfang.
„Na, hast du die letzten Schultage gut überstanden?“, fragte er mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
„Ja, sehr gut, danke.“, antwortete Marianne.
Lupin fasste ihr Grinsen wohl als Vorfreude auf die Sommerferien auf und ahnte nicht, dass Severus Snape der Grund dafür war.
„Du kannst schon gehen, ich bin gleich fertig.“, sagte er.
Marianne nickte und sie stieg in den Kamin. Sie schob den schweren Koffer vor sich hinein und zwängte sich dann selbst in die enge Öffnung. Sie streute das Pulver ins Feuer und kam nur wenige Momente später am Grimmauld Platz an. Sirius stand bereits vor ihr und begrüßte sie freudig. Wie immer war er glücklich, sie – oder überhaupt irgendjemanden – zu sehen.
„Hallo, Kleine.“, sagte er und umarmte sie. „Wie geht’s dir denn? Bist du traurig, dass die Schule vorbei ist?“
„Nein, eigentlich nicht. Ich freu mich schon auf London.“, erwiderte sie, als Sirius sie wieder losgelassen hatte.
„Gut, du wirst sicher viel Spaß haben.“, zwinkerte er ihr zu und zog sie dann mit sich. „Komm mit, ich hab euch Tee gemacht.“
„Danke. Aber sollten wir nicht auf Remus warten?“, fragte Marianne.
„Ach, der findet den Weg schon.“, entgegnete Sirius und zog sie mit sich.
Marianne fühlte, dass er aufgeregt war – er war wohl aufgeregter als sie selbst, dass sie die Schule abgeschlossen hatte. Sie ging mit ihm in der Küche und setzte sich aufs Sofa. Er hantierte vor ihr in der Küche und Marianne beobachtete ihn. Er kümmerte sich so lieb um sie. Kaum zu glauben, dass er und Snape sich so sehr hassten, wo sie doch beide so ins Herz geschlossen hatte. Egal was mit ihr und Snape passierte, Sirius würde es niemals verstehen. Sie würde es vor ihm geheim halten müssen, wenn sie noch länger mit ihm befreundet sein wollte, dachte sie traurig.
Sirius stellte drei Tassen auf den Tisch und setzte sich neben sie. Im selben Moment trat Remus durch die Tür und Sirius sah auf:
„Hey, alter Kumpel, da bist du ja.“
Remus lächelte und setzte sich zu ihnen an den Tisch.
„Und, was möchtest du eigentlich jetzt machen?“, fragte Sirius Marianne.
Diese zuckte die Schultern.
„Ich weiß es noch nicht... Ich habe mal überlegt, ob ich in den Orden einsteigen oder Auror werden sollte.“
Sirius sah sie entgeistert an und Remus‘ Blick zeigte Besorgnis. Bevor Sirius etwas sagen konnte erwiderte Remus:
„Diese Entscheidung solltest du dir gut überlegen, Marianne, der Job beim Orden ist keineswegs lustig – es ist äußerst riskant, manchmal auch lebensgefährlich. Sirius und ich sind beim Orden, weil wir schon lange in diesem Kampf mit drinhängen, deshalb gibt es für uns keine andere Option. Aber du bist jung und hast dein ganzes Leben vor dir...“
„Ich hänge genauso mit drinnen, Remus.“, erwiderte Marianne. „Meine Eltern sind schließlich von Voldemort getötet worden.“
„Ich weiß, aber...“
„Du solltest auf Remus hören.“, unterbrach Sirius ihn. „Ich würde es niemandem empfehlen, auch wenn wir für einen guten Zweck kämpfen. Weißt du, wie viele von der ersten Generation noch am Leben sind? ... Weniger als die Hälfte. Du kannst dir also ausrechnen, wie hoch das Risiko ist, dabei zu sterben.“
Marianne sah ihn stumm an. Sie hatte es noch nie so gesehen. Außerdem wusste sie nicht, ob sie überhaupt geeignet für so einen Job war, daher beließ sie es dabei und gab Sirius Recht. Stattdessen erzählte sie von ihren letzten Schultagen und Sirius fragte sie über alles aus, bis es so spät geworden war, dass sie müde in ihre Betten fielen.
Die Tage vergingen und Marianne erkundete die Stadt. Sie fand das Leben in der Großstadt aufregend und besuchte die verschiedensten Orte, aber währenddessen machte sie sich Gedanken darüber, was sie im Herbst machen sollte. Sie wollte hier studieren, aber sie hatte keine Ahnung, welches Fach sie interessieren könnte. Ihr Vater wollte für Studium und Wohnung aufkommen, sie hatte also genug Zeit, um sich aufs Lernen zu konzentrieren, aber was wollte sie eigentlich werden? Meistens schob sie die Gedanken nach kurzer Zeit wieder von sich und sagte sich, dass sie ja noch keine Eile hatte – die Uni begann schließlich erst in zwei Monaten.
Die meiste Zeit war Marianne alleine in der Stadt unterwegs, denn Sirius und Remus blieben am Grimmauld Platz und arbeiteten für den Orden. Bestimmt wäre es ein aufregender Job, in den Orden einzusteigen oder sogar als Auror zu arbeiten, dachte Marianne immer wieder, aber Sirius und Remus rieten ihr jedes Mal davon ab, wenn sie anfing, davon zu sprechen. Es sei viel zu gefährlich, sie solle froh sein, dass sie nicht in unmittelbarer Gefahr sei, und und und.
Marianne wusste, dass sie Recht hatten, aber auf der anderen Seite wäre es die perfekte Methode, um Snape nahe zu sein... Sie dachte sehr oft an ihren ehemaligen Professor und wartete ab, ob sie etwas von ihm hören würde. Natürlich war das blöd - sie wusste selbst, dass er ihr nicht schreiben würde - aber es war einfach ein zu großer Schritt für sie, ihn einfach von sich aus zu besuchen.
Was sollte sie schon sagen? Und würde er sich überhaupt freuen sie zu sehen? War seine Einladung überhaupt ernst gemeint oder hatte er es vielleicht schon wieder vergessen?
Marianne schwankte hin und her, doch jedes Mal, wenn sie entschlossen war, zu ihm zu gehen, kamen sofort wieder Zweifel auf. Mit dem ewigen hin und her vergingen drei Wochen, doch Mariannes Gedanken kreisten andauernd um ihn. Schließlich entschloss sie sich, ihn doch zu besuchen, ohne auf eine weitere Aufforderung seinerseits zu warten. Sie würde eben gleich wieder gehen, wenn er in schlechter Laune war oder wenn sie merkte, dass sie nicht erwünscht war.
Nachdem sie den Entschluss gefasst hatte, entschied sie, es gleich zu tun, bevor sie wieder einen Rückzug machte. Sie duschte sich und machte sich anschließend im Bad hübsch. Plötzlich stand Sirius in der Tür und fragte:
„Gehst du noch weg?“
„Äh... ja, ich...“, erwiderte Marianne nervös. Sie brauchte unbedingt eine Ausrede. „Ich möchte nach Hogwarts flohen, um in die Bibliothek zu gehen.“
Sirius grinste.
„Ach ja? Und wen triffst du dort?“
Mariannes Gesicht lief rot an. Oh Gott, wie hatte Sirius das bloß erraten?
„Niemanden, wieso?“, erwiderte sie und versuchte, unschuldig dreinzusehen.
„Naja, ich denke, Madam Pince ist es ziemlich egal, wie hübsch du aussiehst.“, sagte er und zwinkerte.
Oh nein, dachte Marianne, was sollte sie bloß sagen? Sirius lachte, als er ihre Verlegenheit bemerkte, und klopfte ihr auf die Schulter.
„Keine Bange, ich will dich doch nur auf die Schippe nehmen.“
Marianne atmete erleichtert durch. Und dann fiel ihr ein, dass sie ihn noch um Erlaubnis fragen musste.
„Darf ich das Flohnetzwerk benutzen, Sirius?“
„Klar, natürlich, von mir aus jederzeit.“, erwiderte er. „Also dann... einen schönen Abend.“
Damit verschwand Sirius und ließ Marianne alleine. Sie war nun noch nervöser als vorher. Als sie fertig war ging sie in ihr Zimmer und nahm die beiden Zaubertrank-Fläschchen an sich, die sie damals von Snape bekommen hatte. Sie steckte sie in ihre Manteltasche und flohte dann nach Hogwarts.
Dort angekommen trat sie aus Lupins Büro und sah sich um. Alles kam ihr so anders vor als sonst, denn es war völlig still. Keine Stimmen erklangen und es war beinahe etwas unheimlich, als sie durch die dunklen Gänge schritt. Sie ging schneller und als sie endlich vor Snapes Büro ankam, blieb sie stehen und atmete einmal durch. Sie nahm den vertrauten Geruch der Kerker wahr und klopfte dann an die Tür. Das Geräusch kam ihr tausendmal lauter vor als sonst, denn es wurde durch nichts übertönt. Marianne wartete, doch es geschah nichts. Sie klopfte noch einmal. Wieder blieb es völlig ruhig und die Enttäuschung breitete sich in ihr aus. Sie hatte sich so darauf gefreut, ihn zu sehen.
Als sie sich sicher war, dass er nicht da war, wandte sie sich betrübt um. Sie hatte sicher damit gerechnet, dass er da war. Was sollte sie jetzt nur tun...?
Sie konnte nicht zum Grimmauld Platz zurück, denn es wäre wohl auffällig, wenn sie gleich wiederkam, daher machte sie sich tatsächlich auf den Weg in die Bibliothek. Es würde ein gähnend langweiliger Abend werden und Marianne war enttäuscht. Sie hatte sich so sehr darauf gefreut und nicht damit gerechnet, dass er nicht da war.
Als Marianne vor der Bibliothek ankam, wurde sie bereits von Madam Pince begrüßt.
„Was machen Sie denn hier, Miss Richis?“, fragte.
„Oh, ich bin nur hier, weil ich etwas lesen möchte.“
„Kann ich Ihnen helfen, suchen Sie etwas Bestimmtes?“
„Nein, danke, ich komme schon klar.“, antwortete Marianne und versuchte, sich ihre gedrückte Stimmung nicht anmerken zu lassen.
Damit trat sie durch die Tür und ging zwischen den Bücherregalen hindurch, während sie überlegte, was sie lesen sollte. Sie las die Titel der Bücher, bis sie auf einen schmalen Band mit der Überschrift „Liebestränke“ stieß. Neugierig nahm sie es heraus und schlug es auf. Marianne war überrascht, dass es so viele verschiedene Arten von Liebestränken gab und las interessiert das erste Kapitel.
„Du hast es bestimmt nicht nötig einen Liebestrank zu brauen, oder, Marianne.“, kam es plötzlich von neben ihr und Marianne sah erschrocken auf.
Dumbledore stand vor ihr, sie hatte ihn gar nicht kommen gehört, und zwinkerte ihr zu. Verlegen schlug sie das Buch zu und legte es weg.
„Was führt dich denn hierher?“, fragte er.
„Äh...“
Marianne überlegte fieberhaft. Sie konnte ja schlecht sagen, dass sie nach diesem Buch gesucht hatte... Schließlich kam sie zu dem Schluss, dass es besser war, die Wahrheit zu sagen - jedenfalls ansatzweise.
„Ich habe nach Professor Snape gesucht. Er sagte er könnte mir Tipps geben, falls ich etwas über Zaubertränke wissen möchte. Aber er war leider nicht in seinem Büro.“
„Verstehe.“, erwiderte Dumbledore. „Nun, er ist bestimmt in seinen Privaträumen, besuch ihn einfach dort. Weißt du, wo seine Wohnung ist?“
Marianne schüttelte den Kopf.
„Du gehst die Treppen in die Kerker hinunter und am Ende links. Dort gehst du bis ans Ende, biegst rechts ab und nimmst die zweite Tür links.“
„Aber... sind Sie sicher, dass es ihm Recht ist, wenn ich ihn dort störe?“, erwiderte Marianne unsicher.
Ihr war überhaupt nicht wohl bei dem Gedanken, ohne seine Aufforderung dort hinzugehen.
„Mach dir darüber mal keine Gedanken, Marianne. Es ist ihm bestimmt Recht.“, erwiderte Dumbledore und zwinkerte kurz.
Marianne antwortete nicht, denn sie war immer noch unsicher, ob es eine gute Idee war.
„Na los!", versicherte ihr Dumbledore. "Er freut sich bestimmt, dich zu sehen.“,
„Na gut, danke...“, sagte sie schließlich, dann drehte sie sich um und verließ die Bibliothek. Sie konnte nicht mehr sehen, dass Dumbledore ihr nachsah und zufrieden schmunzelte.
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